Das Gardening-Project

Das Gardening-Project

Warum sollte man den Schülern der Kingsgate Primary School den Anbau von Gemüse und Obst in der Schule näherbringen?

Die Basotho sind auf die Subsistenzwirtschaft angewiesen, denn die meisten Familien verfügen nicht über die finanziellen Mittel, sich ihre gesamten Nahrungsmittel zu kaufen. Viele Familien, ob in den Städten wie Mafeteng oder Maseru oder auf auf dem Land, bauen einen Teil Ihrer Nahrung an.
Nicht jedes Kind hat die Möglichkeit, aus welchen Gründen auch immer, Zuhause zu lernen, wie man Nahrungsmittel für den Eigenbedarf anbaut. Einige sicherlich, weil sie sich in der Situation befinden, dass ihre Familien nicht auf selbst produzierte Lebensmittel angewiesen sind, andere aber vielleicht auch, da es niemanden gibt, der ihnen beibringen könnte, sich selbst mit Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten zu versorgen, in dem Land, mit der zweithöchsten HIV-Rate (22,7%) weltweit und einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 48,84 Jahren (Deutschland: 80,89 Jahre). Es kann sich allerdings niemand sicher sein, nicht einmal später sich in der Situation wieder zu finden, für sich und seine Familie auf selbst produzierte Lebensmittel zurückgreifen zu müssen.
Ein gutes Beispiel dafür ist meiner Meinung nach eine Arbeitslosenquote von 26,2% und einem BNE pro Kopf von nur 3160 KKP-Dollar in Lesotho im Jahr 2014. Und obwohl damit Lesotho zu den ärmsten Ländern der Welt gehört gab es in den letzten Jahren keine Hungerkatastrophe trotz der Dürre 2015/16 im südlichen Afrika, die letztes Jahr Lesotho, den angrenzenden Freestate in Südafrika und andere Staaten mit voller Härte erwischt hat. Hier sind im eigentlich regenreichen Sommer von November bis März die Regenfälle aufgrund des periodisch wiederkehrerenden Wetterphänomes El-Niño fast komplett ausgeblieben. Der Gegend um Mafeteng drohte die Desertifikation, Weidetiere verendeten auf beiden Seiten der Grenze, der Stausee, der Mafeteng mit Wasser versorgt, viel fast komplett trocken und viele Menschen hatten kein Geld, um Lebensmittel einzukaufen. Und obwohl die Internationalen Nahrungsmittelhilfen nur äußerst schleppend anliefen, blieb eine Hungerkatastrophe aus. Meiner Meinung nach lag dies nicht zuletzt daran, dass ein Großteil der Bevölkerung zumindest in Teilen von der Substizenzwirtschaft lebt.
Und mit Dürren ähnlichen Ausmaßes muss immer wieder gerechnet werden, denn El-Niño wird in einigen Jahren wieder das Weltwetter in Aufruhr versetzen.

Anstatt nur Mathematik und andere „Standartfächer“ zu unterrichten, auch wenn diese selbstverständlich absolut wichtig für die späteren Chancen im Berufsleben sind, finde ich, dass die Schüler allgemeinbildend auf ihr zukünftiges Leben vorbereitet werden sollten. Genau aus diesen Gründen halte ich es für sinnvoll auch in der Schule den Kindern Gartenarbeit und Landwirtschaft näher zu bringen.

Deshalb haben Mateboho Masiu und ich mit Unterstützung des Kollegiums, ohne deren Hilfe dieses Projekt nicht möglich wäre, das Gardening Project eingerichtet. Ziel ist es den großen Schulgarten mit den älteren Schülern – derzeit 98 Freiwillige aus der Stufe 6 – zu bearbeiten und verschiedene Gemüse- und Obstsorten anzubauen, die für die Region typisch sind und wenig Wasser benötigen.

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Übrigens sind das die selben Pflanzen, die in den meisten Teilen Europas angebaut werden. Im oberen Teil des Gartens haben wir begonnen, auf 22 kleinen Plots mit jeweils vier bis sieben Schülern Gemüse anzubauen. Im unteren Teil des Gartens ist eine Streuobstwiese mit Pfirsich- und Apfelbäumen geplant. Auf den 22 Plots, für dessen Bestellung und Pflege die jeweilige Gruppe selbst verantwortlich ist, sollen die Schüler selbst ausgewählte Pflanzen anbauen dürfen. Selbstverständlich findet das Gardening Project nur Nachmittags außerhalb der regulären Schulzeit statt und die körperliche Betätigung bevor die Schüler mit ihren Hausaufgaben nach einem langen Schultag beginnen dient erwiesenermaßen auch der Konzentrations- und Leistungssteigerung.

Nach Absprache mit der Schulleiterin Mateboho Masiu sollen die Schüler sowohl Werkzeug als auch Samen, die sie für ihre eigenen Felder benötigen, selber mitbringen und untereinander teilen und tauschen. Die anfänglich geplante Beschaffung der benötigten Utensilien von Seiten der Schule konnte aufgrund der großen Teilnehmerzahl, die zumindest meine Vorstellungen bei weitem überschritten hat, nicht gestemmt werden. Was sich jedoch nicht als Problem herausstellte, da die Kinder, die Gerätschaften von Zuhause mitbrachten und keine Gruppe ohne Utensilien da stand.

Nach der Ernte mit den Schülern der Stufe 6 (ab Januar Stufe 7) möchten wir die Arbeit mit der neuen Stufe 6 fortsetzen. Die 7. Klässler sollen dabei in einem Übergangszeitraum ihren jüngeren Mitschülern unter die Arme greifen und ihr erlerntes Wissen weitergeben.

So hoffen wir alle, dass dieses Projekt, wenn es dieses Jahr gelingt, auch die nächsten Jahre fortgesetzt wird. Wenn es den Schülern auch nur ein bisschen so viel Spaß macht wie mir und es ihnen vielleicht irgendwann einmal weiterhilft ist das Projekt in meinen Augen geglückt und ein voller Erfolg.

 

Quellen u. a.: Tagesspiegel (20.06.2016), UN statistics

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