Zum Inhalt springen
Zurück zu allen Berichten

Bericht

Monatsbericht April – Mai

Herbst im Valley
Herbst im Valley

Nach den arbeitsintensiven Monaten zuvor stand für mich nun weniger der Aufbau neuer Projekte im Vordergrund, sondern vielmehr die Weiterverarbeitung bereits erzielter Ergebnisse sowie die Verbesserung unserer Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Zusammen traditionell kochen
Zusammen traditionell kochen

Zu Beginn der ersten Woche mussten Radik und ich vorübergehend bei unserem Arbeitskollegen und ehemaligen Arbeitskollegen Tsotang wohnen, da in unserer neuen Wohnung noch Renovierungsarbeiten durchgeführt wurden. Obwohl dies zunächst eine ungeplante Umstellung war, verbrachten wir die Zeit in angenehmer Gesellschaft und konnten die Gelegenheit nutzen, noch mehr Zeit mit Mitgliedern der Gemeinde zu verbringen.

Beruflich konzentrierte ich mich in dieser Woche hauptsächlich auf die Imkerei. Ich schleuderte größere Mengen Honig und sammelte weiterhin Waben, die später eingeschmolzen und zu Bienenwachs verarbeitet werden sollten. Besonders spannend war für mich, die Ergebnisse der vergangenen Monate nun Schritt für Schritt weiterzuverarbeiten. Während die Arbeit zuvor vor allem aus dem Aufbau des Projekts und der Betreuung der Bienenvölker bestand, rückte nun zunehmend die Herstellung hochwertiger Endprodukte in den Vordergrund.

Die Abende verbrachten Radik und ich häufig in der Lodge. Oft nahm ich mir nach der Arbeit die Zeit, um auf dem Sofa der Lodge für die Universität zu lernen. In diesem Monat konnte ich mir die Grundlagen von zwei Programmiersprachen aneignen, um mich möglichst gut auf mein späteres Studium vorzubereiten. Es war ein gutes Gefühl, neben den praktischen Projekten in Lesotho auch bereits an die Zeit nach dem Freiwilligendienst zu denken.

Die Bar in der Lodge
Die Bar in der Lodge

Mitte der zweiten Woche konnten wir schließlich wieder in unsere renovierte Wohnung einziehen. Die Veränderungen waren sofort sichtbar.

Im Vergleich zu unserer vorherigen Unterkunft stellt die neue Wohnung eine enorme Verbesserung dar. Sie bietet deutlich mehr Platz und eine angenehmere Wohnatmosphäre. Besonders gefreut hat mich, dass ich einen eigenen Raum als kleinen Bienenraum einrichten konnte. Dort kann ich nun Honig schleudern, Wachs verarbeiten und Materialien lagern, ohne ständig improvisieren zu müssen. Dadurch wurde die Arbeit deutlich effizienter und strukturierter.

Auch die Welpen unseres Nachbarn entwickelten sich in dieser Zeit prächtig. Mittlerweile waren sie deutlich gewachsen und wurden immer aktiver. Da unser Nachbar aufgrund anderer Verpflichtungen nur wenig Zeit für die Tiere hatte, übernahmen Radik und ich einen großen Teil ihrer Versorgung.

Wir kümmerten uns regelmäßig um Fütterung, Beschäftigung und Erziehung der Hunde. Es entstand schnell eine enge Bindung zu den Tieren, die inzwischen ein fester Bestandteil unseres Alltags geworden ist.

Gleichzeitig machte sich der Wechsel der Jahreszeiten bemerkbar. Die Regenzeit neigte sich ihrem Ende zu, während die Temperaturen vor allem nachts deutlich sanken. Die Tage blieben meist angenehm, doch besonders der Wind wurde zunehmend stärker und machte spürbar, dass der Winter in Lesotho näher rückte.

Alle Behälter voll mit rohem Honig, erste Ernte aus zwei Kolonien
Alle Behälter voll mit rohem Honig, erste Ernte aus zwei Kolonien

Die dritte Woche stand erneut ganz im Zeichen der Imkerei. Gemeinsam mit Kompi verbrachte ich viele Stunden im Bienenraum, um die letzten Honigmengen der Saison zu verarbeiten. Dabei bereiteten wir die Produkte nicht nur für den Eigengebrauch vor, sondern planten erstmals auch einen größeren Verkauf.

Aus diesem Grund meldete ich uns für den monatlichen Farmers Market in Maseru an. Dort wollten wir den Honig offiziell im Namen von Children of Lesotho e. V. anbieten. Gleichzeitig war es mir wichtig, auch Kompi eine Möglichkeit zu geben, seine eigenen Produkte zu präsentieren. Neben dem Honig bot er unter anderem getrocknete Früchte und selbstgemachte Chili-Marmelade an. Mir gefiel die Idee, dass nicht nur mein eigenes Projekt von dieser Gelegenheit profitieren könnte, sondern auch andere Menschen aus der Gemeinde.

In der vierten Woche nahmen wir schließlich am Farmers Market teil. Die Veranstaltung verlief äußerst erfolgreich. Wir konnten einen Großteil unseres Honigs verkaufen und erzielten bereits mit der Ernte von zwei Bienenvölker einen überraschend hohen Umsatz. Für mich war dies ein wichtiger Moment, da erstmals deutlich sichtbar wurde, welches wirtschaftliche Potenzial das Bienenprojekt langfristig haben könnte.

Rückblickend war der April ein Monat, in dem weniger neue Ideen entstanden, dafür aber viele Ergebnisse der vergangenen Monate sichtbar wurden. Die Verbesserung unserer Wohnsituation, die Einrichtung eines eigenen Arbeitsraumes für die Imkerei und der erfolgreiche Verkauf unserer Produkte zeigten mir, wie viel sich seit Beginn meines Freiwilligendienstes entwickelt hat. Während die vorherigen Monate oft von körperlicher Arbeit, Aufbauarbeit und Experimenten geprägt waren, stand nun die Weiterverarbeitung der Projekte im Vordergrund. Das gab mir das Gefühl, dass aus vielen kleinen Ideen inzwischen konkrete und funktionierende Strukturen entstanden sind.