Kategorie: Leif

Mein Name ist Leif, oder Khotso (gesprochen: Chodso mit einem rauen ch), mein Basotho-Name, der uebersetzt „Friede“ bedeutet und den ich von meiner Gastmutter bekommen habe. Ich habe letztes Jahr mein Abitur am Kolleg St. Sebastian in Stegen in der Nähe von Freiburg gemacht.

Zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Moderne

Zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Moderne

Lesotho ist ein Land, das wie nur wenige zwischen eigener Tradition und westlichem Einfluss gefangen ist. So wird in den Städten wie Mafeteng und Maseru ganz à la États-Unis gelebt. Fast jeder hat ein Smartphone, selbst die älteren Schüler an der Kingsgate Primary School haben eines. So scheint es auf uns etwas merkwürdig wirken, auf fließend Wasser im Haus ohne Probleme verzichten zu können aber nicht ohne sein Smartphone leben zu wollen. Doch diese Frage löst sich direkt in Luft auf, sobald man sich vor Augen führt, dass das Handy die einzige Quelle zu schnellen Informationen von überall ist neben dem Fernseher, den hier in den Städten auch jeder besitzt. Und somit öffnen Handy und Fernseher das Fenster in die digitale, weite Welt.

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Out of Africa…

Out of Africa…

Schon ein Monat ist vergangen, seitdem ich mich mal wieder auf meine Reise ins Abenteuer Afrika  begeben habe. Für die ersten Tage jedoch nicht ins gewohnte Lesotho, sondern zusammen mit einem Freund nach Kapstadt. Kapstadt… eine Stadt mit so vielen Facetten wie ihre Bewohner… so wunderschön und hässlich… Eine Stadt, in der zwei Welten aufeinanderprallen, in der Arm und Reich so dicht beieinander liegt, parallel existieren, als lägen tausende Kilometer zwischen beidem und doch stetig kollidieren und kollaborieren. Eine Stadt die fasziniert.

Zurück in meiner mittlerweile zweiten Heimat Lesotho begann direkt wieder der Schulalltag. Am Morgen des 25. Januar sah ich zum ersten mal das, was ich im Oktober, ja bis vor wenigen Augenblicken, niemals gewagt hätte mir so vorzustellen: Den Schulgarten. Beziehungsweise den fein säuberlich bestellten und von hunderten Händen gehegten Traum eines Schulgartens. Überall wuchsen von Mais über Kürbis, Bohnen und Spinat bis hin zu Wassermelonen unterschiedlichste Gemüse- und Obstsorten. Und all das gepflegt von den elf bis 14-jährigen Schülern über die gesamten Sommerferien ohne jeglichen Zwang oder Aufsicht. So haben die Schüler eigenständig einen Arbeitsplan für die einzelnen Tage samt Schichten erstellt. Dieser Moment hat mich einfach nur unheimlich stolz auf „meine“ kleinen Gärtner gemacht.

Es war und ist immer noch einfach wunderschön an der Kingsgate Primary School sein zu dürfen.  Am Morgen Unterricht in der dritten bis siebten Klasse und am frühen Nachmittag die Arbeit im Garten (92 Schüler) oder mit der Deutsch-AG mit derzeit 10 Schülern. Nach der Schule habe ich mir dann wie schon die ersten Monate über die Zeit vertrieben. So vergingen die letzten Wochen wirklich wie im Fluge.
Dazu beigetragen hat auch der Besuch von zwei guten Freunden und ehemaligen Klassenkameraden vom 11. bis 19. Februar. Es war wirklich eine wahnsinnig lustige, erlebnisreiche und einfach coole Woche. Zwar hat es ständig geregnet, jedoch waren wir trotzdem in Thaba Bosiu, in der Umgebung wandern, auf Rennpferden ohne Sattel reiten, selbstverständlich in der Schule und im Garten und den herrlichen Geschmack des ganzen Stolzes Lesothos, Maluti, ausgiebig genießen.

Allgemein regnet es in letzter Zeit ziemlich viel… So wirkt es doch so, als sei Lesotho doch ein paar Jahre zu lange Kronkolonie des Britischen Empires gewesen und es hätte sich nicht nur das Frühstück mit Baked Beans, Sausages und Scrumbled Egg eingebürgert, sondern auch das für seine strahlend blauen Sommerhimmel bekannte englische Wetter etabliert. Ich sitze in Wollpulli,  -socken und langer Jogginghose und friere mir den A**** ab. Das zum Thema Sommer in Afrika. Aber man ist ja bekanntlich immer über das Wetter am meckern… 35 Grad und Sonnenschein… „ Es ist viel zu heiß…“.  22 Grad und tagelang Regen… „Es ist zu kalt und nass“. So will ich mich mal nicht weiter beschweren, denn im allgemeinen bin ich doch recht erfolgreich aus dem endenden deutschen Spätsommer im Oktober in den afrikanischen Sommer vor der klirrenden Kälte geflüchtet. Und passend werde ich dann zum Winterbeginn im Juli zurück in den Sommer zurückkehren. „Fast 12 Monate dauerhaft Sommer… Läuft bei mir“, hätte ich da wohl vor 3 Jahren noch sagen können und wäre laut Langenscheidt im perfekten Jugendslang unterwegs gewesen.
Doch nun bin ich ja nicht mehr berechtigt, mit Jugendwörtern um mich zuschmeißen, zumindest nach der Einschätzung der Schüler, wie alt „Sir Leif“ ist: 24-26. Meine Versuche, mein Alter (19) richtig zu stellen werden jedoch regelmäßig im Keime erstickt, mit der Begründung, dass ihre älteren Geschwister ja schon 20+ seien.
So gebe ich mich schließlich geschlagen und gestehe ein, doch 24 zu sein und das sowohl mein Geburtsdatum auf Führerschein, Reisepass und Personalausweis falsch seien, was mit einem breiten, triumphalen Grinsen von Hlaks und Moeletsi als eine akzeptable Antwort abgenickt wird. Währenddessen versucht eine Gruppe um Mpiti und Mahali gefühlt sämtliche meiner Kontakte über Whatsapp anzurufen, um mit ihnen die deutschen Sätze auszutauschen die sie in einer Vertretungsstunde mit mir gelernt haben. Nach dem Verlust des Interesses wird sich dann nach wenigen Minuten meinen Fotos zugewandt und jedes Bild, egal ob es sich um ein Softeis oder atemberaubende Aufnahme aus dem Flugzeug handelt, mit einem inbrünstigen „Oh“ und „Ah“ kommentiert oder Candycrush, etc. gespielt. Und das ist das, was ich so außer gärtnern im Garten  tue. Mein Alter versuchen zu rechtfertigen und mein Handy im Blick behalten. Doch genau das ist es, was mir im Garten so gut gefällt: Den Sir ablegen zu können und nicht mehr mit einer gewissen Distanz, die während des Unterrichts existiert, mit den Schülern sprechen, spaßen und entspannt arbeiten zu können.

Montagmorgen, 10 Uhr, Kingsgate Primary School, Hospital Area, 900 Mafeteng: „Injection-Day“
Es geht los. Drei weiße Landcruiser und ein Minibus, alle mit getönten Scheiben, fahren auf dem Pausenhof vor. Heulende Kinder rennen mit angsterfüllten Gesichtern über das Gelände.
Zu viele Eltern, als das es noch normal wäre, schwirren laut schnatternd von Klassenzimmer zu Klassenzimmer durcheinander, suchen ihre Schützlinge. Die Lehrer wirken angespannt; brechen abrupt den Unterricht ab; Mateboho Masiu enteignet gerade drei Lehrer verteilt auf zwei Gebäude ihrer Klassenzimmer. Die Schüler packen ihre sieben Sachen und werden auf andere Klassen verteilt. Alle haben eines gemeinsam – ob Mutter, Vater, älterer Bruder oder fast jeder Schüler – sie tragen ein kleines gelbes Büchlein oder „Bukana“ mit sich umher.
Auf der Seite der drei Wagen erkenne ich schemenhaft ein blaues Logo.
9 Männer und Frauen mit großen Kühlboxen steigen aus den Fahrzeugen. Sie wirken ausdruckslos, ja gesichtslos, so, wie ich mir die grauen Herren in Michael Endes „Momo“ mir vorgestellt habe. Einziger Unterschied: sie tragen weiß. Doch dann tritt Mateboho auf sie zu. Freundliche Begrüßungen auf Sesotho werden ausgetauscht. Ich glaube, ein kurzes Lächeln erahnen zu können. Einen Wimpernschlag später schon wieder erloschen.
Sie verteilen sich auf die freigeräumten Klassenzimmer, kehren zu ihren Wagen zurück. Noch mehr Kisten werden in die Klassenzimmer geschleppt. Eine Wagentür fällt laut ins Schloss. Und da steht es in großen Lettern unter dem blauen Globus mit Lorbeerkranz und Schlange: „World Health Organization“.
Selbiges Logo prankt auf den hunderten gelben Bukanas.
Und da erinnere ich mich an die Aussage der Nonnen im CTC, als sie mir die Nachrichten letzte Woche übersetzt haben. Es sind landesweit an allen Schulen Masern- und Polioimpfungen angekündigt. Unter Leitung der WHO und Unterstützung der Königin Masenate Seeiso von Lesotho zur direkten Bekämpfung einer gefürchteten Epidemie, nach dem Auftreten erster Fälle.
Diese Impfungen, so wurde mir gesagt, sind Pflicht. Wer sich nicht in der Schule impfen lässt, muss dies im Krankenhaus machen lassen. Und sie sind kostenlos, im Gegensatz zu jeder anderen medizinischen Behandlung in Lesotho und Südafrika, die immer direkt bezahlt werden muss. Ein Krankenversicherungssystem, wie wir es aus Deutschland oder der restlichen EU kennen, existiert nicht.
Nachdem sich die Ärzte und Schwestern ihre Klassenzimmer eingerichtet hatten, wurde von der Vorschule aufwärts klassenweise durchgeimpft. Für jeden Schüler wurde, für Lesotho leider nicht immer selbstverständlich, eine neue sterile Spritze verwendet, die danach direkt in einem versiegelten und mit „biological hazard“ gekennzeichneten Mülleimer entsorgt wurde.
Derweil war ich damit beschäftigt, die geimpften Kinder am Fingernagel mit einem extra Stift zu markieren, der solange halten soll, bis die Impfkampagne komplett abgeschlossen ist.

Wie sich herausgestellt hat, liege ich mit meinem ersten Eindruck der Ärzte und Schwestern völlig falsch. Denn diese Männer und Frauen stehlen keineswegs Zeit, so wie es die grauen Herren getan haben, sondern sie schenken Zeit. Zeit, die Kinder damit verbringen können, mit ihren Freunden zu spielen, zu lernen und ihr Leben zu leben, anstatt schwer krank zu sein.

Dieser Tag hat mich wahnsinnig beeindruckt. Während wir in Deutschland den Luxus leben können, über die Sinnhaftigkeit  oder Sinnlosigkeit von Impfungen zu sinnieren, leiden anderswo auf der Welt noch immer Kinder ihr Leben lang an Krankheiten, die eigentlich nicht mehr existieren müssten.  In den letzten Jahren ist unter der Federführung der Königin nicht nur die Gesundheitsversorgung und Impfversorgung deutlich verbessert worden. Auch die Anzahl der HIV-Neuinfektionen ist seit 2005, 4 Jahre nach der Hochzeit mit König Letsie III. und dem Beginn ihrer Tätigkeiten, stetig rückläufig. (2005: 30.000 Neuinfektionen; 2015: 18.000 Neuinfektionen (UN-AIDS-Report 2014/15/16)). Zwar sind die Zahlen immer noch die zweithöchsten weltweit, gemessen an der Bevölkerungszahl, jedoch zeichnet sich doch ein deutlicher Trend ab. Man merkt an so vielen Orten, dass alles dafür gegeben wird, HIV und andere Krankheiten den Kampf anzusagen: Auf dem Flughafenklo (Gratiskondome), Impfkampagnen, Aufklärungsprogramme der WHO, des US-Peacecorps und der Regierung und stetige Werbekampagnen im Staatsfernsehen.
Auf der anderen Seite des Globus, der reichen Seite, brechen erst vor kurzem wieder Masern im großen Rahmen in Berlin aus, da sich Eltern aus ideologischen Gründen weigern, ihre Kinder zu impfen und somit auch das Leben der Kinder gefährden, die nicht geimpft werden können. Aber das ist wohl ein sogenanntes „first world problem“.

Mit diesen verschiedensten Eindrücken out of Africa möchte ich mich nach einem weiteren Monat Abenteuer Lesotho mal wieder melden.  Mit Schuld an der langen Stille war auch der Ausfall des Internets an der Kingsgate Primary für einige Wochen, über welches ich meine Blogs gewöhnlich hochlade.

Es ist warm!

Es ist warm!

(Diesmal möchte ich meinen Blog so beginnen, wie es sich gehört, da ich mich so lange nicht mehr gemeldet habe). Das Wetter war genial (32-35°C und tagsüber strahlend blauer Himmel und kurz vor Sonnenuntergang dann Gewitter mit starken Regenfällen). Doch warum schreibe ich überhaupt über das Wetter, das für einen Sommer im südlichen Afrika nicht außergewöhnlich zu sein scheint. Tatsächlich ist das Wetter derzeit für alle Basotho eine Erleichterung, wie wir sie uns gar nicht vorstellen können, denn letztes Jahr litt fast das gesamte südliche und östliche Afrika an einer Dürreperiode, wie seit 30 Jahren nicht mehr. Und so habe ich Lesotho bei meiner ersten Reise im Mai auch kennengelernt… trocken, dürr und braungelb. Doch dieses Bild hat sich in den letzten Wochen schlagartig geändert. Überall sprießt neues Grün auf den seit mehr als einem Jahr vertrockneten Flächen, die Staudämme, die Mafeteng und die umliegenden Dörfer mit Wasser versorgen füllen sich wieder, überall haben sich Teiche und Tümpel gebildet und überall ist ein fast ohrenbetäubendes Froschkonzert des nachts nicht zu überhören.
Und nicht zuletzt wachsen die Pflanzen im Schulgarten, als gäbe es kein Morgen mehr.

Aber nicht nur das Wetter ist genial. Die letzten Wochen im allgemeinen waren wunderschön. Nachdem die final exams gewritten waren, konnten wir (Schüler, Referendare und ich) uns im „Unterricht“ den wirklich wichtigen Dingen beschäftigen. Da wir, als Nichtlehrer, keine Befugnis hatten, die final exams zu korrigieren und die Zeugnisse auszustellen, mussten (Achtung Sarkasmus) wir uns voll und ganz der Schülerbespaßung widmen. So wurden wir, nachdem wir noch am vorherigen Tag den „bösen“ Lehrer bei der Beaufsichtigung der Arbeiten spielen mussten, mehr doch zu Kinderanimateuren, die, so finde ich, auch auf jedem AIDA-Kreuzer oder Robinson-Club nicht besser aufgehoben wären. Da die Ferien erst am 30.11. begannen, waren wir komplett mit der Arbeit im Garten, dem Versuch noch ein bisschen Unterricht zu machen und „Capture the Flag“ auf dem Sportplatz beschäftigt. Wer nicht wissen sollte, was „Capture the Flag“ ist, kann es ja googlen… Ich bin sicher, ihr schafft das, nachdem ihr schon meinen Blog in den Tiefen des Netzes gefunden habt.

Wenn ihr diesen Blogeintrag lest, bin ich höchstwahrscheinlich schon wieder in Deutschland. Denn ich schreibe gerade vom Johannesburger Flughafen O.R. Tambo und ich bin mir nicht sicher, ob ich hier noch Wifi finde. Aber warum bin ich gerade auf meinem Heimweg? Derzeit sind bis Mitte Januar die großen Sommerferien in Lesotho. Diese lange unterrichtsfreie Zeit nutze ich nun um ein bisschen Heimaturlaub zu machen und bin dann ab Mitte Januar bis voraussichtlich Ende Juni in Lesotho. Die Gelegenheit werde ich auch dafür nutzen, meine Bilder endlich hochzuladen, was bis jetzt nicht möglich war, da ich nur mobiles Internet genutzt habe und das mir zu teuer war, einen Haufen Bilder hochzuladen.

Was bisher geschah…

Was bisher geschah…

Am Mittwoch den 12. Oktober ging meine Reise ins Abenteuer Afrika vom Freiburger Hauptbahnhof gegen 16 Uhr los. Bis zum Sonntag, den 16. begleitete mich mein Vater nach Lesotho. Einerseits, um das Land, dass er bislang nur aus meinen Erzählungen und aus dem Fernsehen, etc. kannte, kennenzulernen. Andererseits natürlich auch, um die Kingsgate Primary School und meine Gastfamilie zu treffen und auch über meine gute Unterbringung sicher zu sein.

Nach kurzer Startschwierigkeit beim Lufthansa Check-In, da mein Rückflug erst Ende Juni gebucht ist und ich mein VISA erst in Mafeteng erhalten habe, konnten wir vor unserem Flug noch in der Lounge entspannen und dann um kurz vor 10 zu unserem Abfluggate gehen.
Nach einem ruhigen Flug landeten wir um 08:40 in Johannesburg.
Nun hieß es rennen! Denn für unseren Anschlussflug nach Maseru endete das Boarding schon um 9:10 und wir mussten noch durch das gesamte Terminal A (Internationale Flüge) rennen, die Zoll- und Sicherheitskontrolle für den Transit passieren und ein Stockwerk tiefer, mit Gürtel und offenem Rucksack in der Hand zu unserem Anschlussflug den gesamten Weg wieder zurückrennen. Völlig außer Atem schafften wir es aber noch rechtzeitig zu unserem Gate.
Nach einer kurzen Fahrt über das Vorfeld standen wir nun vor unserer Maschine, die im Vergleich zu unserem JUMBO-Jet von Frankfurt nach Johannesburg wie winzig wirkte, was sie auch tatsächlich war. Platz für rund 30 Passagiere.
Nach einem einstündigen Flug mit einer wahnsinnigen Aussicht auf die unendliche Weite Südafrikas und die atemberaubenden Berge landeten wir auf dem Moshoeshoe I.

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International Airport, Maseru, an dem wohl an so mancher deutschen Bushaltestelle täglich mehr Passagiere abgefertigt werden als hier. Jedoch hat die „Größe“ auch was. Die Einreise geht wahnsinnig schnell und mit der Freundlichkeit der Basotho, wie ich sie schon auf meiner letzten Reise erlebt habe.

Mit unserem Mietwagen fuhren wir dann zur Kingsgate Primary School, wo wir  von Mateboho Masiu, einigen Lehrern und Antonia, meiner Gastmutter und auch Lehrerin an der Kingsgate, herzlichst in Empfang genommen wurden. Nach Bezug unseres Zimmers im Lapeng Habu Bantu Guesthouse, wo wir bis zu der Abreise meines Vaters wohnten, sind wir zu meiner Gastfamilie gefahren. Nach einem gemütlichen Abendessen mit allen zusammen im Golden Hotel bin ich todmüde in mein Bett gefallen.

Am Freitag haben mein Vater und ich versucht, eine SIM-Karte für mein Handy und meinen Internetstick zu organisieren, was sich aber als ein unmögliches Unterfangen herausstellte, da im ganzen Land keine einzige Econet-SIMCard verfügbar ist (anscheinend Lieferschwierigkeiten). Deshalb habe ich jetzt für mein Handy eine Vodacom SIM-Karte, welche aber in Sachen Internet zu teuer ist… Deshalb warte ich auch noch heute (01.11.) auf die SIM-Karte für mein Laptop. Das ist auch der Grund, dass ich bis jetzt noch keinen Blog veröffentlicht habe und ich entschuldige mich wirklich dafür… Ich melde mich aber ab sofort öfter!!!!
Am Nachmittag sind wir mit den Lehrern zur Malealea-Lodge gefahren. Mit einer wirklich schönen Landschaft. Am Abend sind wir mit den Lehrern noch im Golden Hotel, Mafeteng Pizza essen gegangen… Die Pizza, bei dem sich jeder Italiener im Grabe umdrehen würde, schmeckte aber erstaunlich gut.

Am späteren Abend waren wir noch zum Tee bei der Familie, der herzlichen Dame, von der ich meine SIM-Karte hoffentlich in naher Zukunft beziehen werde und von der ich auch meine Vodacom-Karte habe. Die gesamte Familie – indischstämmig – ist äußerst freundlich und ich habe mich gut mit ihrem 18-Jährigen Sohn verstanden und auch eingeladen, mich am Wochenende, da er , in Südafrika zur Schule geht, mit ihnen zu treffen.

Am Samstagmorgen sind wir schon früh aufgestanden, um schon um 7 Uhr zur 3 ½ Stunden entfernten Maliba (gesprochen Madiba) Lodge aufzubrechen. Schließlich sind wir mit für afrikanische Verhältnisse um 8.30 Uhr pünktlich aufgebrochen. Nach einem Stop in Maseru bei KFC und einem Großeinkauf für 20 Personen und jeweils 2 vollwertigen Mahlzeiten ( 5 große KFC-Einkaufstüten – ja, so etwas gibt es – sind wir nach einer weiteren 1-stündigen Fahrt auf der Maliba Lodge inmitten der atemberaubenden Landschaft der Highlands in Lesotho angekommen mit einem wunderschönen Ausblick in das lange Tal und die majestätischen grünen Berge mit an den Steilhägen empor kletternden Antilopen….

Nun war es soweit: Es war Sonntag und es hieß sich nun von meinem Vater bis Weihnachten zu verabschieden.  Wir sind am Vormittag noch etwas herumgefahren und am Nachmittag dann zu meiner neuen Familie, um mein Gepäck abzuladen und meinem Vater dann zum Flughafen zu begleiten….

Die nächsten Tage waren ziemlich schwierig, denn ich hatte ziemlich mit dem Heimweh und der völlig neuen Umgebung zu kämpfen. In der ersten Woche besuchte ich alle Klassen, um einen genaueren Einblick in den Tages- und Unterrichtsverlauf zu erhalten. Auch ist am Montag meine Residence Permit bis zum 30.06.2016 genehmigt worden, was sich deutlich einfacher gestaltete, als ich mir je erträumen lassen hätte.

Am Freitag, den 21.10. bin ich ins CTC umgezogen, indem ich schon bei meinem letzten Aufenthalt gewohnt habe. Die Gründe, finde ich, müssen an dieser Stelle nicht genannt werden. Lediglich kann ich eins sagen: sie haben nichts mit der mit meiner Gastfamilie zu tun, die mich mit einer auch für lesothische Verhältnisse absolut nicht selbstverständlichen Warmherzigkeit und  Gastfreundschaft in ihre Familie aufgenommen haben. Ich besuche und treffe mich immer noch mit meiner M`e Antonia, meinem Ntate Marcel und meinem Gastbruder Thabiso.

Samstag, 22.10.2016: Morgens, 0800 am Einganstor der Kingsgate Primary. Merkwürdiges geschieht. Ein Bus steht vor dem Eingang. Aus der offen stehenden Tür und den geöffneten Fenstern wummert bassbetonte südafrikanische House- und Dancemusik. Die Lehrer sind fröhlich am Lachen, Singen und Tanzen. Alle Schüler der 7.Klasse auch. Eilig wird noch eine Anlage in den  Bauch des Busses verladen. Wie sich später herausstellen wird zur Beschallung des beschaulichen und idyllischen Ortes Morija, 30 km entfernt von Mafeteng. Den ganzen Tag!
Es ist Farewell, das heißt Abschlussfahrt für die 7. Klasse, bevor  sie ihre Grundschullaufbahn beenden und an unterschiedlichste Highschools weiterbüffeln dürfen. Das ist jetzt erstmal nach den Final Exams letzte Woche in weite Ferne gerückt. Heute, im hier und jetzt wird gelacht, gesungen getanzt und einfach alle Sorgen vergessen. Der Bus, im Rhythmus des Basses und der tanzenden Koerper auf und ab wippend, lässt die Bewohner Morijas Böses erahnen, denn Kingsgate kommt jedes Jahr im Oktober… Das lese ich zumindest aus den entsetzten, kreidebleichen Gesichtern der Menschen, die am Straßenrand stehen und es anscheinend vergessen haben Morija rechtzeitig zu verlassen, oder es nicht mehr geschafft haben, frei nach dem Motto: „Lasst die alten und gebrechlichen einfach zurück und rennt um euer Leben!“ Und so tanzten, picknickten und feierten alle Schüler und Lehrer!!! bis in den Sonnenuntergang hinein.
Auch habe ich mich mit Anna, einer Freiwilligen aus Freiburg und Freundin von Freunden – die Welt ist doch ziemlich klein – getroffen. Hier findet ihr ihren Blog.
18:30 war der ganze Spuk auch wieder vorbei… Wir befanden uns auf dem Heimweg nach Mafeteng.Wer jedoch glaubt, dass der Heimweg aufgrund der aufkommenden Muedigkeit ruhiger verlaufen ist, der Irrt gewaltig… Es wurde bis zum letzten Augenblick im Bus getanzt.

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Den Sonntag habe ich dazu genutzt, auszuschlafen und mich vom Samstag zu erholen.

In der letzten Woche habe ich meinen Stundenplan bekommen und ich unterrichte jetzt mit Hilfe der Lehrer in Klasse 1-6 Mathe und Lifeskills.

An den Nachmittagen treffe ich mich entweder mit meiner Gastfamilie oder ich ziehe mit einem der Lehrer, vor allem Thabelo Tseetse, eine Studentin, die sich noch in ihrem Referendariat an der Kingsgate befindet und mit der ich mich sehr gut verstehe, wie mit den anderen Lehrern auch. Jedoch ist der Altersunterschied zwischen 19 und 21 ja nicht ganz so groß…

Abends falle ich jeden Abend spätestens um 9 todmüde aber glücklich ins Bett….

Von grünen Bohnen, Klassenarbeiten und ob ich denn nicht friere…

Von grünen Bohnen, Klassenarbeiten und ob ich denn nicht friere…

Am 01.11. bin ich innerhalb des CTC in ein größeres Zimmer mit eigener Dusche umgezogen…
Ich wohne jetzt im selben Gebäude, in dem auch die Sisters und Mitarbeiter des Catholic Training Centers wohnen, was mir deutlich besser gefällt, da ich die letzten Tage alleine im Guestroom-Haus geschlafen habe und das irgendwie doch ein bisschen komisch ist… Jedenfalls sind die Nonnen und anderen Angestellten wahnsinnig nett und es ist immer was los. Selbst wenn mir mal langweilig werden sollte – was bis jetzt aber noch nie passiert ist – ist eigentlich immer jemand um mich rum, mit dem ich reden kann oder beispielsweise im Garten helfen kann… Nach dem Abendessen schaue ich dann meistens mit ein paar der Sisters und den Angestellten des CTC fernsehen, lache, rede und versuche, möglichst jeden Abend ein paar Brocken Sesotho zu lernen.

Jeden Donnerstag bin ich im Matheunterricht in der 4. Klasse. (Meinen Stundenplan stelle ich separat online.) So auch am 02.11…. Doch dieser sonnige, wunderschöne, aber um 8 Uhr morgens schon zu warme Morgen (25 Grad) war kein gewöhnlicher Donnerstagmorgen. Ich spürte die Anspannung, die Ruhe vor dem Sturm als ob die Gewitterwolken sich schon am Horizont aufbauten. Die Aufregung vor den Final Exams in Mathematik und Sesotho der 4. Klasse, die in zwei Schienen und 4 Räumen am selben Tag geschrieben wurden war auf dem gesamten Schulgelände zu spüren. Schüler rannten über den Hof, mit dem selben verzweifelten Blick, den ich noch zu gut von meiner Zeit als Vollzeitschüler vor so mancher Klassenarbeit kannte. Zumindest in der Zeit in denen das „Vollzeit“ in den tiefen meines Unterbewusstseins, vor dem flimmernden Bildschirm meiner Röhre oder am Boden des ein oder anderen Glases eines verführerisch golden schimmernden Saftes in Vergessenheit geraten ist. Wobei letztere Alternative zur Realitätsverzerrung bei Schülern einer Grundschule keinerlei Rolle spielt und es wohl doch eher an einer der unzähligen Soaps oder den Freunden lag, sich nicht mit der Berechnung von Flächen, den Grundrechenarten und dem dem Lösen von Textaufgaben zu beschäftigen. Jedoch möchte ich hier anmerken, dass ein Groß der Schüler, wie ich es empfinde deutlich zielstrebiger und lernwilliger in so Jungen Jahren ist, wie wohl die meisten westlichen Grundschüler. Man merkt, sie sind sich dessen Bewusst, was Bildung für ihr zukünftiges Leben bedeutet.
Und nun durfte ich, dessen 12-jährigen Erfahrung in der „unauffälligen“ Manipulation des Ausgangs von so mancher Klassenarbeit noch frisch in Erinnerung war, die Arbeit beaufsichtigen. (Anmerkung für meine ehemaligen Lehrer, sollten sie das hier zufällig lesen: Für „ich“ ist in den letzten Sätzen ein beliebiger anderer Name einzusetzen.)
Zumindest saß ich nun in Front von 25 Schülern, die mich mit dem Blick von unschuldigen Lämmern ansahen. Plötzlich tauchten immer mal wieder zeitgleich zwei Schüler ab, nachdem ihnen zufällig der Stift runter gefallen war und versuchten von ihrem Nebenmann Informationen abzugrasen. Ganz erstaunt stelltensie dann fest, dass ich vielleicht kein Sesotho verstehe, allerdings höre, wenn unter den Sitzbänken leise Sesotho gesprochen wird.
Dennoch blieb es bis auf ein paar Flüsterversuche ruhig und die meisten arbeiteten konzentriert.
Am selben Abend war ich dann noch mit der Korrektur der Arbeiten beschäftigt, was mir aber nichts ausmacht, da man dabei sehr gut runter kommt.

Am Samstag habe ich mich mit Thabiso und Antonia getroffen um auf einen der Hausberge Mafetengs zu steigen/klettern und danach bin ich mit Thabiso und Thabelo zum Sportplatz gegangen um den Basketballtunier zuzugucken und Tennis- und Skateversuche anzustellen, was deutlich besser klappte, als ich gedacht habe.

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Um 11 Uhr am Sonntag ist Anna aus Morija mit einem der Minibustaxen, die eigentlich den gesamten öffentlichen Verkehr stemmen, angekommen und wir sind den Tag über ein bisschen durch Mafeteng getingelt.

Montag war der Tag nach dem großen Regen, der von Samstagabend bis Sonntagfrüh um halb 10 angedauert hat. Und es hat wirklich geschüttet wie aus Kübeln und meine Gastmutter hat tatsächlich recht behalten: Wenn es in Lesotho aufgrund von Gewittern regnet, dann richtig, denn auch die Gewitter sind hier ordentlich.
Und nach den ersten großen Regenfällen im Sommer (Regenzeit) war es auch die letzte Woche spürbar kühler und angenehmer.
Bei 25 Grad am Mittag im Schatten finde ich es in langer Hose und Sweatshirt tagsüber doch ein bisschen zu warm. Doch das sehen die Basotho, mit denen ich so Kontakt habe, sowohl Schüler, Lehrer als auch Sisters und Mitarbeiter des CTC etwas anders. So gehört momentan neben den Standartfragen, was ich heute so mache und wie es mir heute so geht auch rituell dazu, ob ich denn nicht friere, wenn ich in Shorts und T-Shirt unterwegs bin. Allgemein scheinen die Basotho ein anderes Kälteempfinden zu haben als das ich es habe. Denn auch bei weit über 30 Grad sind einige von ihnen immer noch mit dicken „Übergangsjacken“ unterwegs und es ist eine Art Todsünde, in Taxen oder jedem anderen Fahrzeug die Fenster zu öffnen, da ja jemand frieren könnte. Und auch von der Klimaanlage wird anscheinend im ganzen Land kein Gebrauch gemacht, egal wie stickig, warm oder feucht es ist.

Aufgrund des endlich feucht werdenden Bodens – wegen der Regenfälle die letzten Tage – habe ich in Absprache mit Mateboho Masiu mit der 6. Klasse das „Gardening-Project“ am Mittwoch, den 09.11. begonnen.
Von der freiwilligen Beteiligung von weit mehr als der Hälfte der Stufe war ich begeistert. Die Schüler haben sich noch am Mittwoch und Donnerstag selbst in 4er- bis 7er-Gruppen eingeteilt; abhängig von der Größe der Felder. Unterstüzt werden die Schüler und ich bei unserer Arbeit von Sir Sello, Sir Soko und…. die ein bisschen Ordnung in den Ameisenhaufen von Schülern bringen.
Am Donnerstag haben wir angefangen, die Erde umzugraben und ab nächster Woche möchten wir mit dem aussäen beginnen. Ich möchte jeder Gruppe die Möglichkeit geben, dass anzubauen, was sie möchten. Dabei sollen sie von verschiedenen Pflanzen wie grünen Bohnen, Erbsen, Rote Beete, Spinat, Karotten, Salat, Kohl, etc. auswählen können. Auch sind die einzelnen Gruppen von  jetzt an für die Pflege ihrer eigenen Felder verantwortlich.
Nach nur einer Stunde im Garten mussten wir allerdings aufgrund eines herannahenden Gewitters abbrechen, was sich allerdings als fast ein Ding der Unmöglichkeit herausgestellt hat, da selbst bei strömendem Regen und über den Himmel zuckenden Blitzen die Kinder nicht nach Hause gehen wollten.
Am nächsten Tag haben wir unsere Arbeit dann fortgesetzt und fast alle Gruppen haben ihre Plots jetzt soweit bearbeitet, dass mit dem Pflanzen begonnen werden kann. Nachdem ich am Mittwoch mit der B-Klasse angefangen habe sind jetzt auch die Freiwilligen aus der A-Klasse hinzugestoßen und das Gardening-Project hat jetzt ganze 98 teilnehmende Schüler aus nur einer Klassenstufe verteilt auf 22 Felder.

Anfangs hatten wir noch geplant das Gardening-Project für die Klassen 4-6 anzubieten, von der Idee sind wir mittlerweile aber wieder abgewichen, da uns dafür dann doch die Zeit und auch die Kapazitäten fehlen, 300 Schüler gleichzeitig zu betreuen und ihnen die Unterstützung zu bieten die ihnen meiner Meinung nach bei einem solchen Projekt zusteht.
Ich bin mittlerweile auch wirklich dankbar darüber, dass mir einige Lehrer dabei helfen, dieses Projekt möglich zu machen, was einer einzelnen Person bei einer so großen Gruppe kaum möglich gewesen wäre,
Am Montag beginnt dann das große Buddeln. Wir starten mit dem aussäen der ersten Samen und dem setzen der ersten Setzlinge. Jede Gruppe ist dabei selbst dafür verantwortlich, von Zuhause Samen etc. mitzubringen. Sie haben dadurch allerdings auch die komplette Freiheit darin, was sie pflanzen wollen/dürfen/können. Auch müssen sie ihre eigenen Gartengerätschaften von zu Hause mitbringen. Anfangs hatten Mateboho Masiu und ich noch überlegt, die Samen etc. für die Gruppe zu stellen. Dabei sind wir allerdings von einem Bruchteil der Teilnehmer ausgegangen. So würden die Bereitstellung von Gerätschaften und Setzlingen, Samen etc. jeglichen Rahmen gesprengt. Ganz abgesehen von den beschränkten finanziellen Mitteln wäre der allgemeine Aufwand einfach zu groß gewesen. Fast jede Familie in Lesotho und auch der Kingsgate Primary School  Subsistenzwirtschaft betreibt und entweder auf gepachteten Land oder öfter im eigenen Garten Pflanzen für den  Eigenbedarf anbaut ist es auch kein großes Problem für die Schüler, die Dinge die sie benötigen von zu Hause mitzubringen.
Schon in der kurzen Zeit, seitdem wir mit der Arbeit begonnen habe sehe ich, dass die Kinder sich untereinander helfen und voneinander lernen.
Über das Gardening-Project werde ich hier mehr berichten.

Das Gardening-Project

Das Gardening-Project

Warum sollte man den Schülern der Kingsgate Primary School den Anbau von Gemüse und Obst in der Schule näherbringen?

Die Basotho sind auf die Subsistenzwirtschaft angewiesen, denn die meisten Familien verfügen nicht über die finanziellen Mittel, sich ihre gesamten Nahrungsmittel zu kaufen. Viele Familien, ob in den Städten wie Mafeteng oder Maseru oder auf auf dem Land, bauen einen Teil Ihrer Nahrung an.
Nicht jedes Kind hat die Möglichkeit, aus welchen Gründen auch immer, Zuhause zu lernen, wie man Nahrungsmittel für den Eigenbedarf anbaut. Einige sicherlich, weil sie sich in der Situation befinden, dass ihre Familien nicht auf selbst produzierte Lebensmittel angewiesen sind, andere aber vielleicht auch, da es niemanden gibt, der ihnen beibringen könnte, sich selbst mit Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten zu versorgen, in dem Land, mit der zweithöchsten HIV-Rate (22,7%) weltweit und einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 48,84 Jahren (Deutschland: 80,89 Jahre). Es kann sich allerdings niemand sicher sein, nicht einmal später sich in der Situation wieder zu finden, für sich und seine Familie auf selbst produzierte Lebensmittel zurückgreifen zu müssen.
Ein gutes Beispiel dafür ist meiner Meinung nach eine Arbeitslosenquote von 26,2% und einem BNE pro Kopf von nur 3160 KKP-Dollar in Lesotho im Jahr 2014. Und obwohl damit Lesotho zu den ärmsten Ländern der Welt gehört gab es in den letzten Jahren keine Hungerkatastrophe trotz der Dürre 2015/16 im südlichen Afrika, die letztes Jahr Lesotho, den angrenzenden Freestate in Südafrika und andere Staaten mit voller Härte erwischt hat. Hier sind im eigentlich regenreichen Sommer von November bis März die Regenfälle aufgrund des periodisch wiederkehrerenden Wetterphänomes El-Niño fast komplett ausgeblieben. Der Gegend um Mafeteng drohte die Desertifikation, Weidetiere verendeten auf beiden Seiten der Grenze, der Stausee, der Mafeteng mit Wasser versorgt, viel fast komplett trocken und viele Menschen hatten kein Geld, um Lebensmittel einzukaufen. Und obwohl die Internationalen Nahrungsmittelhilfen nur äußerst schleppend anliefen, blieb eine Hungerkatastrophe aus. Meiner Meinung nach lag dies nicht zuletzt daran, dass ein Großteil der Bevölkerung zumindest in Teilen von der Substizenzwirtschaft lebt.
Und mit Dürren ähnlichen Ausmaßes muss immer wieder gerechnet werden, denn El-Niño wird in einigen Jahren wieder das Weltwetter in Aufruhr versetzen.

Anstatt nur Mathematik und andere „Standartfächer“ zu unterrichten, auch wenn diese selbstverständlich absolut wichtig für die späteren Chancen im Berufsleben sind, finde ich, dass die Schüler allgemeinbildend auf ihr zukünftiges Leben vorbereitet werden sollten. Genau aus diesen Gründen halte ich es für sinnvoll auch in der Schule den Kindern Gartenarbeit und Landwirtschaft näher zu bringen.

Deshalb haben Mateboho Masiu und ich mit Unterstützung des Kollegiums, ohne deren Hilfe dieses Projekt nicht möglich wäre, das Gardening Project eingerichtet. Ziel ist es den großen Schulgarten mit den älteren Schülern – derzeit 98 Freiwillige aus der Stufe 6 – zu bearbeiten und verschiedene Gemüse- und Obstsorten anzubauen, die für die Region typisch sind und wenig Wasser benötigen.

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Übrigens sind das die selben Pflanzen, die in den meisten Teilen Europas angebaut werden. Im oberen Teil des Gartens haben wir begonnen, auf 22 kleinen Plots mit jeweils vier bis sieben Schülern Gemüse anzubauen. Im unteren Teil des Gartens ist eine Streuobstwiese mit Pfirsich- und Apfelbäumen geplant. Auf den 22 Plots, für dessen Bestellung und Pflege die jeweilige Gruppe selbst verantwortlich ist, sollen die Schüler selbst ausgewählte Pflanzen anbauen dürfen. Selbstverständlich findet das Gardening Project nur Nachmittags außerhalb der regulären Schulzeit statt und die körperliche Betätigung bevor die Schüler mit ihren Hausaufgaben nach einem langen Schultag beginnen dient erwiesenermaßen auch der Konzentrations- und Leistungssteigerung.

Nach Absprache mit der Schulleiterin Mateboho Masiu sollen die Schüler sowohl Werkzeug als auch Samen, die sie für ihre eigenen Felder benötigen, selber mitbringen und untereinander teilen und tauschen. Die anfänglich geplante Beschaffung der benötigten Utensilien von Seiten der Schule konnte aufgrund der großen Teilnehmerzahl, die zumindest meine Vorstellungen bei weitem überschritten hat, nicht gestemmt werden. Was sich jedoch nicht als Problem herausstellte, da die Kinder, die Gerätschaften von Zuhause mitbrachten und keine Gruppe ohne Utensilien da stand.

Nach der Ernte mit den Schülern der Stufe 6 (ab Januar Stufe 7) möchten wir die Arbeit mit der neuen Stufe 6 fortsetzen. Die 7. Klässler sollen dabei in einem Übergangszeitraum ihren jüngeren Mitschülern unter die Arme greifen und ihr erlerntes Wissen weitergeben.

So hoffen wir alle, dass dieses Projekt, wenn es dieses Jahr gelingt, auch die nächsten Jahre fortgesetzt wird. Wenn es den Schülern auch nur ein bisschen so viel Spaß macht wie mir und es ihnen vielleicht irgendwann einmal weiterhilft ist das Projekt in meinen Augen geglückt und ein voller Erfolg.

 

Quellen u. a.: Tagesspiegel (20.06.2016), UN statistics

Nach der Reise ist vor der Reise

Nach der Reise ist vor der Reise

Zuhause angekommen begann die Aufarbeitung des Erlebten; sowohl die überwiegenden wunderschönen Momente dieser atemberaubenden, wenn auch kurzen Reise in den Süden Afrikas als auch die negativen Seiten dieses Landes.

Auch musste ich mich damit auseinandersetzen, was ich noch alles vor meiner „großen“ Reise nach Lesotho erledigen musste. Und das war so einiges….

– Langzeitauslandskrankenversicherung mit Rücktransport! ist abzuschließen. Zu beachten ist aber, dass sowohl in Lesotho als auch Südafrika für die meisten kleineren Behandlungen bei Ärzten als auch im Krankenhaus vorab bezahlt werden müssen (in Lesotho meist auch nur in Bar möglich (wie eigentlich alles))

–Versuchen, mein Visum bei der Botschaft Lesothos in Berlin zu beantragen, um zu erfahren, dass ich erst in Maseru, der Hauptstadt Lesothos es bei der Ausländerbehörde beantragen kann und alle möglichen Dokumente vorlegen muss wie z.B.: Einladung der Schule, Dokument der Entsendeorganisation mit Bestätigung über ausreichende finanzielle Mittel, ein gültiges Rückflugticket, eine Einladung der Gastfamilie mit genauer Adresse,…

– Eine Kreditkarte, mit der man auch im Ausland kostenlos Geld abheben kann

– Einkaufs- und Packlisten abarbeiten

– …

Auch war es Anfangs ein Ziel, spenden für die Sanierung und den Ausbau der multimedialen Ausstattung zu sammeln. Allerdings haben Elisabeth und ich die erschreckenden Zustände der Toiletten an der Kingsgate Primary School gesehen. Wie auch schon unser Schulleiter Bernhard Moser, Dr. Peter Krimmel und Dr. Walburga Rehmann-Linden haben wir eingesehen, dass die Komplettsanierung der Toiletten oberste Priorität vor allen anderen Modernisierungen hat. Hierfür werden insgesamt 12.000 € benötigt, wovon schon bereits 3.600 € zusammengekommen sind. Es muss das gesamte Erdreich um die Sanitären Anlagen herum abgetragen werden. Da dies die einzigen Sanitären Einrichtungen für die mehr als 900 Schüler sind, müssen die Arbeiten innerhalb der Ferien stattfinden. In Lesotho sind von Ende November bis Ende Januar die großen Sommerferien und es wäre natürlich sehr schön, wenn man die Sanitären Anlagen in diesem Zeitraum sanieren könnte. Um die Arbeiten rechtzeitig beginnen zu können, müssten wir das Geld bis zum 30. November gesammelt haben. bildschirmfoto-2016-07-09-um-10-20-48

Über jede Spende freut sich der Freundeskreis des Kagiso LAP, Mateboho Masiu, die Schulleiterin der Kingsgate Primary School, ihr Kollegium und selbstverständlich alle Schüler.

 

Lesotho – Ein Reisebericht (15.-21. Mai)

Lesotho – Ein Reisebericht (15.-21. Mai)

Unsere Reise in ein Land, von dem wir – wie wohl die meisten Europäer – vor unserer Reiseplanung, ganze 2 Wochen vor Abflug (was, wie wir von verschieden Quellen erfuhren, für Peter Krimmel eine äußerst frühzeitige Reiseplanung ist), noch nie etwas gehört hatten, begann am Sonntag, den 15. Mai.

Gegen Mittag fuhren wir zum Frankfurter Flughafen noch ohne zu erahnen, was für atemraubende Eindrücke und Erfahrungen wir in der nächsten Woche sammeln würden. Zwar hatten wir uns selbstverständlich – wie es sich für deutsche Touristen gehört – mittels Reiseführer eingehend über die Kultur und die Sehenswürdigkeiten versucht zu Informieren. Dies gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht, da in gefühlt allen deutschsprachigen Reiseführern mit den Titeln wie „Südafrika, Lesotho und Swasiland auf einen Blick (300 Seiten)“ maximal 5 Seiten über Lesotho berichten, wovon ungefähr 3 Seiten vor der, im Vergleich zu Südafrika, sehr langweiligen Tierwelt sowie mit Graffiti verschmierten Denkmälern warnen. Somit war das Thema Vorabinformation auf die traditionelle Art und Weise abgehakt. Über das Internet erhielt man dann schon nähere Informationen über die Kultur, die Landschaft, etc.. So eine richtige Ahnung, darüber, was uns in diesem Land erwarten würde hatten wir aber immer noch nicht.

Bei der Sicherheitskontrolle am Fraport und dem obligatorischen Körperscanner hieß es noch kurz „Bitte lächeln“ und dann nach einem Bierchen an einer Flughafenbar ab auf die gefühlt DIN A4 großen Sitzplätze, die wir für die nächsten 11 Stunden unser Eigen nennen konnten. Der Versuch zu schlafen wurde bei allen Economy-Fluggästen von der Crew unterbunden. Einerseits durch einen festen Griff an der Schulter, bei welchem selbst israelische Krav Maga-Kämpfer erblassen würden und der Frage: „Scrumbled Egg or Continental Breakfast?“. Andererseits durch die beherzte Stewardess, welche Ihren Bordtrolley als eine Art mittelalterlichen Rammbock verwendete um die Köpfe der schlafenden Fluggäste, darunter Elisabeth auf ihrem Gangplatz, aus den Gängen zu rammen. Die einzige, die dies nicht beirrte und seelenruhig schlief, war Elisabeth.

Am nächsten Morgen gegen 7 Uhr standen wir noch völlig übermüdet 8600 km entfernt von der Heimat, mitten in Afrika an der Passkontrolle des Johannesburger Airports, oder O.R. Tambo, wie er von fast allen im südlichen Afrika genannt wird.

Nach der Sicherheitskontrolle hieß es nun: Frühsport mit (fast) Sprinteinlage. Unser Ziel war es vor den Passagieren der Flüge aus Dubai und Hong Kong (allesamt Großfamilien mit gefühlt mehr als 20 Familienmitgliedern) zur Gepäckausgabe und der folgenden Zollkontrolle zu gelangen.

Mit unserem Handgepäck und unseren Treckingrucksäcken, die in Folie gewickelt – ein Muss, wenn man nach Johannesburg fliegt (Diebstahlsicherung) – waren, eilten wir zu unserem  Mietwagenunternehmen. Mit unserem Mietwagen, ein Toyota mit einem Motor, der sich mehr nach Rasenmäher als nach Automobil anhörte und sich auch so fuhr, brachen wir auf in das Abenteuer Straßenverkehr in Afrika samt Linksverkehr, Menschen und Tieren auf der Fahrbahn und metertiefen Schlaglöchern, die Elisabeth jedoch nicht davon abhielten, während der meisten Zeit unserer Fahrt in das Reich der Träume einzutauchen.

Und dann waren wir nach 6-stündiger Autofahrt und über 24-stündiger Reise am Ziel angekommen. Lesotho „Das Königreich im Himmel“ – was wortwörtlich zu nehmen ist – ist das höchstgelegenste Land der Welt, dass heißt, es gibt kein Land, an dem der tiefste Punkt so hoch liegt, nämlich auf über 1400 m, nahm uns am Van Rouvens Port (Grenzübergang) in Empfang.

Noch nicht einmal richtig angekommen, fuhren wir noch 20 Kilometer über die im Vergleich zu Südafrika deutliche besser instand gehaltene Straße nach Mafeteng schnurstracks zur Kingsgate Primary School wo wir am Nachmittag so herzlich von Mateboho Masiu, der Schulleiterin empfangen wurden, wie wir es von jemand völlig fremden noch nie erlebt haben. Diese Herzlichkeit war jedoch kein Einzelfall, sie ist für die Menschen in Lesotho selbstverständlich, wie wir in den nächsten Tagen erkannten.

Nachdem wir uns einen ersten Eindruck der Schule verschaffen konnten, widmeten wir uns unserem eigentlichen Reisegrund, der Planung des Aufenthaltes von Mateboho in Deutschland.

Nach einem gemütlichen Abendessen mit Mateboho und dem Computerspezialisten der Schule, Zelo, fielen wir todmüde in unsere Betten im einfachen aber erstaunlich komfortablen und wie alle Häuser, die wir sahen, sauberen Catholic Training Center. Und für Elisabeth das i-Tüpfelchen unseres Aufenthaltes: Eine Badewanne!

Immer noch müde fuhren wir am nächsten Morgen noch im Morgengrauen um sechs Uhr mit Mateboho eineinhalb Stunden nach Bloemfontein, Südafrika um das Visum für Mateboho zu beantragen, was sich trotz allen notwendigen Dokumenten schwieriger gestaltete, als gedacht. Zwar gibt es in Südafrika eine deutsche Botschaft, diese kümmert sich jedoch um keinerlei Visaanträge, das tut eine Agentur names VISALink, die scheinbar noch weniger Ahnung von der Erteilung eines Visas hat, als die Mehrheit von uns von der Quantenphysik. Am Nachmittag trafen wir uns noch mit Leonmore, einem sehr guten Freund von Herrn Krimmel und Mitarbeiter des KAGISO LAP.

Die darauffolgenden Tage verbrachten wir bis zu unserer Rückfahrt nach Johannesburg in Lesotho. Da die Formalien nun erledigt waren, konnten wir uns nun den wirklich interessanten Dingen wie Mensch, Natur und Kultur zuwenden.

Am Mittwoch waren wir zum ersten mal während der Schulzeit in der Schule. Außerdem  noch am Donnerstag einen kompletten Schultag von Beginn an bis zum Ende und Freitag bis halb 12.

In den Pausen stürmten die  900 Schüler, nachdem  die mobile menschliche Pausenglocke, die strahlend über das Schulgelände mit ihren besten Freunden rannte, auf den Pausenhof und vertieften sich in Seilspringen und Hüpfspiele, die wir auch trotz langem betrachten nie verstanden haben. Auch entdeckten die Schüler sofort Elisabeths Kamera. Und da war es geschehen: Umringt von Kindern, die fotografiert werden wollten  und die unsere Hände schüttelten verbrachten wir in einer Traube aus strahlenden Kindern sämtliche Pausen. Und dieses strahlende, offenherzige  Lächeln der Kinder werden wir wohl auch nie wieder vergessen.

Während des Unterrichts wirken die Schüler wie ausgewechselt. Trotz 70 Schülern pro Klasse in einem Klassenraum, von der Größe eines kleinen deutschen Klassenzimmers und der Anwesenheit nur eines Lehrers herrscht absolute Ruhe. Die Schüler der Kingsgate Primary School saugen jedes einzelne Wort ihres „teachers“ wissbegierig auf mit einer Lernbereitschaft, wie wir sie in einer deutschen Schule noch nie erlebt haben. Es scheint so als wüssten sie alle von der 1. Klasse an, dass von dem was sie jetzt lernen ihre gesamte Zukunft abhängt, während sich deutsche Schüler meistens doch eher auf die nächste große Pause freuen.

Und das selbe Bild haben wir auch von dem gesamten Kollegium mitgenommen. So viel Herzblut, wie die Lehrer der Kingsgate Primary School in die Bildung und somit die Zukunft jedes einzelnen ihrer Schüler investieren, haben wir wirklich sehr selten gesehen.

Wir besuchten auch mit dem gesamten Kollegium von 22 Lehrern – für über 900 Schüler –  den lokalen Radiosender in Mafeteng, wo wir nach der Führung durch das Büro und das kleine Aufnahmestudio, welches doch sehr modern und an “westliche Standards“ (wenn es so etwas für Radiosender gibt) angeglichen war, erfuhren, dass wir uns nun einem „nur“ 30 minütigen Spontaninterview samt Live-Übertragung stellen mussten. Merke: Radiomoderatorinnen in Lesotho haben ein sehr durchdringendes Stimmorgan.

Unser Radiobesuch war am Mittwoch. Am Abend freuten wir uns schon auf das Essen im Catholic Training Center, anders als Montag und Dienstag, wo wir im Mafeteng Hotel und an einer Imbissbude auf der Hauptstraße gegessen hatten. Nach 2 Tagen Pommes Frites freut man sich doch mal über Reis, Salat, Gemüse und ein in meinen (Leif) Augen geniales Rinderragout.

So aßen wir auch die nächsten Tagen bei den Nonnen im CTC. Und auch das Entertainment war deutlich besser und wohl einmalig und für Europäer sehr ungewohnt. Oder haben sie schon eine Nonne den Hit „Work“ (Rihanna) singen hören? Aber genau dieser Moment zeigt unserer Meinung nach die Leichtigkeit und Lebensfreude der Basotho welche wir auf unserer Reise überall sahen, und von der wir uns auch eine Scheibe abschneiden können.

Ein weiteres Highlight war am Freitag unser Ausflug zum Nationaldenkmal Tabha Bosiu. Schon die Hinfahrt mit fast dem gesamten Kollegium in einem für Lesotho typischen Minibus war ein Erlebnis für sich. Da die Sitzplätze nicht für jeden ausreichten wurde kurzerhand einfach eine Schulbank in den Mittelgang gestellt, sich festgehalten und schon ging die Fahrt mit lauter Beschallung aus der für den Bus überproportioniert wirkenden Pioneer-Anlage los.

Der Tafelberg Tabha Bosiu,  der im Westen des Landes nahe der Grenze zu Südafrika liegt, war unser Ziel. Hier besiegte Moshoeshoe I. die Buuren und drängte sie hinter die Grenze des heutigen Lesothos. Dies war der wichtigste Moment in der Geschichte Lesothos, da Moshoeshoe I. die Basotho so vor der schrecklichen Apartheid schützen konnte.

Und dieses Erbe spürt man noch heute. Die Spannungen zwischen weißer und schwarzer Bevölkerung, die in Südafrika noch nicht ganz überwunden sind, haben wir in Lesotho nicht mitbekommen. Das liegt aber wohl auch daran, dass es keine weiße Bevölkerung mit der Staatsbürgerschaft Lesothos gibt, lediglich Diplomaten, Volontäre, Touristen, etc.

Doch nicht nur die Historie dieses Berges ist beeindruckend. Die Landschaft Lesothos, die man vom Tafelberg aus mit dieser wahnsinnigen Aussicht überblicken kann ist einfach atemberaubend. Im Westen sieht man das Tiefland von Lesotho auf 1400 m; wendet man seinen Blick in Richtung Osten erkennt man die über 3000 m hohen, schroffen und grünen Berggipfel der Drakensberge, dazwischen liegen immer wieder Tafelberge, die die Tiefebene durchschneiden und in Blickrichtung der Drakensberge am Fuße des Thaba Bosiu der Berg Qiloane, der sich als Hut, das einzige Souvenir was wir im ganzen Land gesehen und gekauft haben, in die Flagge Lesothos eingeschlichen hat.

Auf unserer Rückfahrt, wieder aufgrund diverser eng besetzter Schulbänke völlig überladen wurden wir auch noch von der Polizei angehalten. Ein grimmig drein guckender Officer kam zur Fahrertür und wollte unseren Fahrer zur Rede stellen, warum zu viele Fahrgäste mitgenommen wurden. Doch als dieser nette Herr dann in die Fahrgastkabine blickte, sah er nur noch Fahrgäste auf den Sitzplätzen sitzen, welche leere Schulbänke mit sich führten. Die übrigen Lehrer waren  kichernd unter den Sitzen sowie auf einem Plumpsklo eines Bauernhofes, welches am Fahrbahnrand stand durch die Schiebetür verschwunden.

Nach kurzer Diskussion und einer Zahlung eines unbekannten  Geldbetrages – wir haben kein Wort verstanden, da in der Landessprache Sesotho gesprochen wurde  – durften wir mit allen Fahrgästen weiter fahren.

Unseren letzten Abend schlossen wir mit allen Lehrern in einer sehr schönen Runde bei einem Abendessen im Catholic Training Center ab.

Und am nächsten Tag ging es auch schon wieder zurück nach Deutschland. Nach der herzlichen Verabschiedung von Mateboho Masiu, 7 Stunden Autofahrt, 2 1/2 Stunden Aufenthalt am Flughafen, 11 Stunden Flug, 1 Stunde Aufenthalt am Flughafen und 2 1/2 Stunden Autofahrt waren wir wieder in unserem geregelten Leben angekommen.

Viele neue Eindrücke und auch eine geänderte Sicht auf die Dinge, die wirklich im Leben zählen haben wir mitgenommen und auch Entscheidungen über unsere eigene Zukunft getroffen.

Wer einmal in Lesotho gewesen ist, den lässt dieses Land, aber auch der gesamte Kontinent Afrika, nicht mehr los.

Eines können wir beide sagen: Wir kommen wieder….

Ursprünglich veröffentlicht auf: https://leifinlesotho.wordpress.com/2016/09/29/lesotho-ein-reisebericht-15-21-mai/