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Die zwei letzten Monate

Die zwei letzten Monate

Die zwei letzten Monate und der Abschied

Lumelang,

Nun musste man sehr lange auf diesen Blogeintrag warten. Dafür wollen wir uns zuerst einmal entschuldigen. Leider war es uns bis heute nicht möglich, euch von unseren Erlebnissen zu berichten. Nun wollen wir dies aber in aller Ausführlichkeit ein letztes mal tun.
Zunächst einmal zum Mai.

Mitte des Monats haben wir Besuch von unseren Eltern bekommen. Sie sind für 10 Tage bei uns gewesen und wir hatten eine sehr tolle Zeit. Zum einen hatten sie die Möglichkeit unseren Alltag mitzuerleben, unsere Freunde kennen zu lernen, aber zum anderen haben wir gemeinsam auch Lesotho und Südafrika bereist. Auf den Reisen durchs Land haben wir den „ Royal Natal Nationalpark“, „Malealea“, „Thaba Bosiu“ und den „Semonkong Wasserfall“ (einer der schönsten im südlichen Afrika) besucht. Für uns war das Reisen eine schöne Abwechslung und hat uns wieder einmal gezeigt, was für schöne Länder Lesotho und Südafrika sind.

Unsere Eltern hatten die Chance die Schule, die Kinder, die Lehrer und auch viele Bekannte von uns kennen zu lernen. So haben sie einen tollen Einblick bekommen, was für AG’s wir anbieten, welche Fächer wir unterrichten und natürlich auch was es heißt, in Lesotho zu leben. Auch war es für sie beruhigend zu sehen, dass es uns in Lesotho gut geht und wir eine tolle Zeit erleben

Nach 10 Tagen war der Aufenthalt dann schon viel zu schnell wieder vorbei und wir sind alle zu unserem Alltag zurückgekehrt. Im Vorhinein hatten unsere Eltern, bei Freunden und Kollegen Spenden gesammelt, damit die Spielplätze an der Kingsgate Primary School renoviert werden konnten. Mit Hilfe dieser Spenden, wurde ein neues Klettergerüst gebaut und viele Schaukeln erneuert.

Projekte

Die letzten zwei Monate waren ansonsten sehr ausgebucht mit Aktivitäten. Es gab sehr viel zu organisieren und fertigzustellen.

Zunächst haben wir Anfang Juni für unsere Mädchen Fußballmannschaft ein Abschlussturnier veranstaltet. Hierfür haben wir mehrere andere Fußballmannschaften aus der Region eingeladen. Es wurde ein sehr schönes Turnier, bei dem man sehen konnte wie viel Potential in den Mädchen steckt und wie viel Spaß sie in der Mannschaft haben. Es gab spannenden Spiele, hartnäckige Zweikämpfe und sehr viele tolle Tore. Gerade da es ein Mädchenturnier dieser Art in Mafeteng noch nie zuvor gegeben hat, waren wir am Ende des Tages sehr glücklich und stolz, die Süßigkeiten, Urkunden und natürlich den Pokal überreichen zu dürfen. Leider haben unsere Mädels nicht gewonnen sondern den guten 5. und 6. Platz belegt. Dies tat jedoch ihrer guten Laune keinen Abbruch, denn sie wussten, dass sie stolz auf das sein können was sie in nur 4 Monaten gelernt haben und die anderen ja auch schon viel länger Fußball spielen. Unser Ziel des Turnieres war es besonders den Mädchen der Kingsgate Primary School die Möglichkeit zu geben ihre neu entdeckte Leidenschaft für Fußball auch nach unserer Abreise weiterzuführen. Außerdem wollten wir den Eltern, Freunden und Bekannten der Mädchen die Chance geben, zu sehen welche Fortschritte die Mädchen am Ball, aber auch in ihrem Selbstbewusstsein gemacht haben. Viele überlegen sich nun einem anderen Team beizutreten, mit dem sie mehrmals die Woche trainieren können, bzw. überregionale Turniere spielen können. Auch die Trainer der anderen Teams sind nun sehr an einer Kooperation zwischen allen Mädchenmannschaften interessiert und planen weitere Turniere.

Auch von unseren anderen Projekten stand natürlich der Abschied an. Am schwierigsten zeigte sich hierbei die Bücherei. Schon zwei Wochen vor dem letzten Schultag liehen wir keine Bücher mehr aus, sondern sammelten nur noch Bücher ein. Dennoch gab es nach Abgabeschluss noch über 200 von uns vermisste Bücher. Somit verschickten wir Elternbriefe und sprachen freundliche Mahnungen aus. Dadurch trudelten in der letzten Woche noch viele Kinder mit Büchern ein. Trauriger Weise haben wir dennoch einen Verlust von 36 Büchern innerhalb der 5 Monate zu beklagen. Um den Schaden möglichst klein zu halten und die Achtsamkeit zu schulen, müssen die Eltern dieser Kinder nun einen symbolischen Beitrag von 2€ bezahlen, um die Anschaffung neuer Bücher zu ermöglichen. Insgesamt betrachtet muss man aber zugeben, dass 35 verlorene Bücher nicht mehr so viel erscheinen, wenn man sich überlegt, dass wir mehr als 12000 Bücher ausgeliehen haben. Rückblickend war die Bücherei zwar unsere spontanstes, aber wahrscheinlich weitreichendstes Projekt. So viele Kinder waren sorgsam mit den Büchern und haben sich im Verlauf der Zeit zu richtigen Leseratten entwickelt, die es kaum abwarten konnten bis endlich wieder Donnerstag oder Freitag war. Es war schön zu sehen, dass die Schüler mal von den Schulbüchern abschalten konnten und stattdessen in die Welt der „Wale und Delfine“ abgetaucht sind oder sich mit dem „Magischen Baumhaus“ auf Welt und Zeitreise begeben haben. Die strahlenden Augen der Schüler, wenn sie ein Buch bekamen, entschädigten für das Chaos welches sie in der Bücherei immer hinterließen und für die sehr stressigen Büchereitage.

Auch mussten wir natürlich die Sport AG beenden. Da es uns in den 5 Monaten leider nicht möglich war an einem Leichtathletikwettkampf zwischen den Schulen in Mafeteng teilzunehmen, veranstalteten wir am letzten Montag im Halbjahr einfach unseren eigenen. Zuerst gab einen Klassenwettkampf im Staffellauf, den wir zu Beginn den Schuljahrs immer wieder trainiert haben. Darauf folgte der 80m Sprint getrennt sowohl zwischen der 5. und 6. Klasse als auch den Mädchen und Jungs. Das Highlight war aber der Weitsprung. Hierfür haben wir drei Wochen zuvor gemeinsam eine Weitsprunganlage gebaut. Diesen Projekt wäre in Deutschland sehr kompliziert, in Lesotho dagegen ist es sehr einfach. Es wurde ein Bereich abgesteckt, dieser umgegraben und immer wieder aufgelockert, eine Anlaufbahn durch Hütchen markiert und ein Springseil als Absprunglinie platziert. So entstand eine erstaunlich taugliche Anlage, die sich auch nach einem kritischen Testsprung von mir als gut und sicher erwies. In den drei Wochen Training haben die Schülerinnen und Schüler erhebliche Fortschritte in der Technik gemacht, was sich beim Wettkampf dann auch zeigte. Als die Teilnehmer dann alle Stationen absolviert hatten, gab es noch eine Siegerehrung mit Süßigkeitenpreisen für die Gewinner, der einzelnen Sportarten. Zusammenfassend muss man sagen, dass der Sporttag sehr unkompliziert war und ca. die Hälfte der 5. und 6. Klässler teilgenommen haben und alle sehr viel Spaß hatten.

Am zweitletzten Schultag stand dann auch unser letztes mal Deutsch AG an . Hier veranstalteten wir ein kleines Quiz mit allen Dingen die wir unterrichtet haben und eine Runde: „ Was Heißt eigentlich __________ in Deutsch?“. So konnnte jeder sein Lieblingswort in Deutsch lernen oder seinen Namen ins Deutsche übersetzen. Es ist für uns immer noch beeindruckend wie viel die Schüler in dieser kurzen Zeit gelernt haben. Nämlich, die alltäglichen Begrüßungen, Tage, Monate, Jahreszeiten, Zahlen, Farben, Fakten über Deutschland und Europa, Sich vorstellen und viele andere Vokabeln. Die deutsche Sprache ist die erste wirkliche Fremdsprache die den Kindern in ihrem Leben begegnet, da Englisch ja Amtssprache ist. Es war toll wie wissbegierig und fleißig alle waren ein bisschen etwas über das ferne Deutschland und Europa zu lernen.

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So viel zu unseren Projekten.

Kleine Geschichten

Eine schockierende, aber auch witzige Geschichte hat sich in den zwei Monaten noch ereignet. Alle begann damit, dass wir eine Lehrerin über den Schulhof sprinten sahen. Dann stürmte auch mein Klassenlehrer aus dem Raum mit den Worten: „Anscheinend ist ein Baby ins Klo gefallen“. Clara und ich konnten mit dieser Aussage nicht allzu viel anfangen, so gingen wir auch Richtung Toilette. Die ganze Schule war in Aufruhr. Viele Lehrer und auch die Rektorin rannten herum und es wurde diskutiert. Die Stimmung war eine Mischung aus Verständnislosigkeit und auch Angst, weil niemand wusste was passiert, wenn ein Kind in ein solch tiefes Plumpsklo fällt. Nach ein paar Minuten stellte sich jedoch heraus, dass nichts passiert war. Lediglich ein Erstklässler hatte panisch zu einer Lehrerin gesagt, dass ein Baby ( Kindergartenkind) nicht mehr da ist und wahrscheinlich ins Klo geplumpst ist. Auch wenn Kinder eine große Fantasie haben, musste natürlich nachgeschaut werden, ob etwas passiert war. Als die Erleichterung einsetzte, haben alle herzlich gelacht und es wurde getestet ob nicht vielleicht doch das kleinste Kindergartenkind durch die Klobrille passt, was jedoch nicht zutraf.

Ein anderes Klischee, welches wir unbedingt noch aufdecken wollen ist, dass es in Lesotho nicht ganzjährig heiß und trocken ist. Natürlich denkt man bei Afrika, direkt an Wüste, Steppe und Trockenheit. Jedoch ist Lesotho ein Hochplateau, was dazu führt, dass es im Winter, also den letzten Monaten empfindlich kalt und trocken wurde. Wir sind nahezu jeden Tag mit Thermounterwäsche in die ungeheizte Schule und hatten für unsere Wohnung eine kleine Paraffin Heizung. Im Sommer dagegen ist es heiß und regnet es nahezu jeden Nachmittag.

Der Abschied

Dann stand auch schon der letzte Schultag vor den Winterferien und somit unser Abschied an. Natürlich bereitet man sich lange auf diesen Tag vor, ja fürchtet ihn sogar ein wenig. Wir hatten uns traditionelle Kleider im modernden Stil schneiden lassen und alle freuten sich sehr darüber, da wir nun zu 100% wie Basotho Frauen aussahen. Für unsere Klassen hatten wir Kuchen und Snacks dabei und veranstalteten im Klassenzimmer eine kleine Abschiedsparty. Dann wurden wir, bei der gemeinsamen Versammlung, von der ganzen Schule verabschiedet , bevor die Kinder vom Schulgelände und in die Ferien stürmten. Die Schulleiterin und einzelne Schüler aus unseren Klassen und AG´s hatten kleine Dankes-reden vorbereitet und trugen diese repräsentativ für ihre Klassenkameraden vor. Sie berichteten was sie alles mit uns erlebt haben und wie schön es war, dass wir da waren. Schon bei diesen lieben Worten kamen uns die Tränen und wir schafften es nur mit großer Beherrschung unsere eigene Dankesrede zu Ende zu bringen, bevor die ersten Tränen nicht nur bei uns sondern auch bei vielen Schülerinnen und Schülern kullerten. Richtig schlimm wurde es als wir den Kindern in unsere Klasse persönlich Tschüss sagten. Viele Mädchen und auch die doch so coolen Jungs weinten, als wäre es ein Abschied für immer.

Der Abschied von den Schülern war sehr traurig, aber am Ende brachten wir doch alle ein Lächeln zu Stande und freuten uns, dass wir einander kennen gelernt hatten.

Es folgte die offizielle Abschiedsfeier mit den Lehrern, bei der wir uns für die tolle Zeit und die Chance bedankten, an der Kingsgate Primary School arbeiten zu können. Gemeinsam aßen wir ein traditionelles Lesotho Gericht mit dem von uns mitgebrachten, typisch deutschen Nudelsalat. Als wundervolles Abschiedsgeschenk bekamen wir die traditionelle Baotho Decke und den Basotho Hut. In Kombination mit unsern Kleidern waren wir dann vollständig.

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Doch das war noch nicht das Ende, denn am Samstag hatten wir noch Abschlusstraining mit den Fußballmädchen. Dieses war eigentlich als kleine Party geplant, doch die Mädchen waren todtraurig, dass es nun zu Ende war. Schlussendlich feierten wir dann jedoch die die gemeinsame Zeit mit Musik und Kuchen.

Im Verlauf der folgenden Woche mussten wir dann noch einiges organisieren und uns von vielen liebgewonnen Menschen außerhalb der Schule verabschieden. Auch sind wir ein letztes mal in unserne traditionellen Outfits in die Kirche gegangen. Diesmal aber mit einem guten Freund in die „Calvaris“. Diese Kirche war sehr jung und modern gestaltet. Es wurde Schlagzeug und Keyboard gespielt, Solo und in Gruppen gesungen und inbrünstig vom Pfarrer gepredigt. Auch wurden wir persönlich begrüßt und der Pfarrer bedankten sich mindestens fünf Minuten bei uns für unsere Arbeit und lobte den Schritt nach Lesotho zu kommen, um zu helfen. Außerdem wurde um uns ein Gebets-kreis geformt und für uns um ein gesundes und gutes Leben gebeten, sowie für uns gesungen und getanzt. Diese Kirchenerfahrung war sehr beeindruckend und wir werden sie wohl nie vergessen.

Nun haben wir Lesotho verlassen und was wir erlebt haben und mitnehmen ist schwer in Worte zu fassen.
Unser Fazit

Es war eine wundervolle und einmalige Erfahrung Lesotho so nah und echt kennenzulernen. Zu erleben was es heißt ein Basotho zu sein.

Was zu sagen bleibt ist, dass die Basotho die freundlichsten und zufriedensten Menschen sind, die wir je getroffen haben. Gerade auch die aufrichtige Dankbarkeit und Liebe, die uns die Kinder entgegen gebracht haben sind Gefühle, die wir unser ganzen Leben in uns tragen werden. Von Lesotho nach Deutschland zurück zu kommen, macht einem bewusst in welchem Luxus wir leben dürfen und was für riesen Chancen jedes Kind in Deutschland hat. Es lohnt sich jedoch in ein materiell armes Land zu gehen um dies zu erkennen, aber auch um zu merken wie reich die Welt an Kultur und Varianz ist.

Natürlich hatte auch unser Dienst wie alles im Leben Höhen und Tiefen, wundervolle und auch traurige oder zweifelnde Momente. Dennoch würden wir uns immer wieder für die Arbeit und das Leben im unbekannten aber wunderschönen Lesotho entscheiden. Für uns wird dort immer unser zweites Zuhause sein und wir werden auf jeden Fall zurückkommen.

Bedanken möchten wir uns zum Abschluss noch bei den Firmen Wandres, Testo und Halstrup Walcher , die unseren Flug finanziert haben und so unseren Aufenthalt erst möglich gemacht haben. Besonders auch bei unserem Entsenderverein „Children of Lesotho e.V“ aus Stegen, dessen Verantwortliche uns sehr unterstütz haben. Aber natürlich auch bei der Kingsgate Primary School die uns so toll aufgenommen hat. Ganz am Schluss gilt ein riesen Dank unseren Eltern und Freunden, die uns vorher aber auch in der Zeit immer wieder aufgebaut und bestärkt haben.

Vielen Dank auch euch allen für das Lesen des Blogs. Es war schön zu sehen wie viele Menschen sich für unser Projekt interessiert haben. In über 16 Ländern wurde unser Blog gelesen, was uns wieder einmal bewusst macht wie klein die Welt doch ist.

Falls Sie noch nicht genug von uns haben, laden wir Sie alle gerne zu unseren Vorträgen in St. Peter und Stegen ein. ( Termine sind voraussichtlich der 30.09.2018 um 17 Uhr in St.Peter und der 26.09.2018 um 19:30 in Stegen.)

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Sala hantle Clara und Hannah

Dritter Monat

Dritter Monat

Lumelang,

Nachdem viele nachgefragt haben, wie es uns so geht, kommt hier nun ein kurzer Zwischenbericht. In der Schule läuft es gut, wenn auch unsere Pläne von vielen kleineren Zwischenfällen immer mal wieder ein wenig beeinträchtigt werden.

Sehr zufrieden sind wir mit der Bücherei, die mittlerweile schon zum Schulalltag geworden ist und fast nicht mehr wegzudenken ist.

Buechereizeit fuer die 5.Klasse

Buechereizeit fuer die 5.Klasse

Auch unsere Fußballmädels machen große Fortschritte, wenn auch das Team aufgefüllt werden musste, da einige Spielerinnen nicht regelmäßig am Training teilnahmen (bzw. nicht teilnehmen konnten).

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Ausgepowert nach dem Training, so soll es sein 🙂

Auch in der Deutsch und Sport AG sehen wir kleine Erfolge. In den nächsten Wochen findet ein Sport Wettkampf zwischen verschiedenen Schulen statt, bei dem sich hoffentlich zeigen wird, wie gut unser Leichtathletik Training war.

Im letzten Monat waren natürlich auch hier Osterferien und wir haben die Zeit genutzt, für eine Woche in die Drakensberge zu fahren (Reisebericht folgt).

Besonders schön war auch, dass Leif uns besucht hat. Leif ist der erste Freiwillige, der die Kingsgate Primary School, gesendet vom Verein „Children of Lesotho e.V.“, unterstützt hat. Er hat hier im letzten Jahr fast 10 Monate verbracht und ist so zum einen unser Hauptansprechpartner im Vorhinein und jetzt ein willkommener Gast geworden.

Bei seiner Ankunft am ersten Morgen, als er durch das Schultor lief und von einem Drittklässler erspäht wurde, ging das Chaos los. Fast alle Schüler rannten, ohne um Erlaubnis zu bitten, aus den Klassenzimmern und umringten ihren so lange vermissten Lehrer. Selbst zu uns in die Bücherei drangen die Rufe: „Sir Leif! Sir Leif!“. Es war ein großer Tumult und wir hatten alle Hände voll zu tun, die Kinder, die gerade mitten beim Bücherausleihen waren, in der Bücherei zu behalten, um nicht vollends den Überblick zu verlieren.

Auch die nächsten Tage, in denen Leif die Klassen besuchte, waren etwas Besonderes, denn alle hier haben sich sehr gefreut ihn endlich wiederzusehen. Mit ihm haben wir ein paar schöne Ausflüge unternommen z. B. nach Maseru. Dort waren wir in einer sehr coolen und hippen Bar, die man so gar nicht in der Hauptstadt Lesothos erwartet hätte.

An seinem letzten Tag hier haben wir dann auch noch einen spontanen Lehrerausflug zu einem Damm, Thaba Bosiu und dem nahegelegenen Hutberg unternommen. Der Thaba Bosiu ist das Heiligtum des Landes, deshalb werden dort alle Könige Lesothos begraben. Heilig ist er, da Moshoeshoe der Erste 1820 dasBasothovolk auf diesem Berg versammelte, um es gegen Stammeskriege (Difaqane) in Südafrika verteidigen zu können. Dies gelang ihm auch, da man das Berplateau nur durch sechs sehr steile Pfade erreichen kann, die gut zu bewachen waren und man zusätzlich vom Berg aus herannahende Feinde schon auf weite Distanz erkennen konnte. Auf dem Plateau gab es für die vielen Menschen genügend Trinkwasser und Platz für die Viehhaltung.

Das Plateau konnte im Laufe der Jahre nie von feindlichen Bantuvölkern oder den Buren eingenommen werden. Und so wurde die Basotho Nation nie von feindlichen Mächten unterworfen.

Der Thaba Bosiu ist heute Nationaldenkmal und es gibt dort noch viele weitere Dinge zu besichtigen. Vom Berg aus kann man z.B. einen benachbarten Berg sehen, den Qiloane, nach dessen Abbild der traditionelle Hut der Basotho geformt ist.

Nach zehn Tagen musste Leif dann wieder abreisen und wir widmen uns, mittlerweile wieder unserem ganz normalen Alltag.

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Ein kleiner Lehrerausflug

Um diesen besser beschreiben zu können, wollen wir euch in unserer nächsten Rubrik „Unterschiede einer Grundschule in Deutschland und Lesotho “ zeigen, was uns mittlerweile gar nicht mehr auffällt:

  1. Das Vesper

Während in deutschen Schulen die Kinder meist ein doppeltes Brot mit Käse oder Wurst, eine Brezel und dann vielleicht noch einen Apfel oder Riegel dabei haben und sich sonst etwas beim Bäcker kaufen, ist hier die Auswahl um einiges einfallsreicher. Die Schüler haben meist eine riesige Vesperdose mit einer doppelten Portion Reis, Nudeln, Pommes, Frittiertes oder Brot mit Gemüse und Hühnchen eingepackt. Manchmal aber auch doppelte Brote oder bis zu vier Äpfel. Zu Trinken gibt es Soft Drinks oder Wasser. In der Pause kann man sich hier am Zaun zu der High-School Maispops oder gleich eine kleine Tüte Popcorn kaufen. Es kann einem komisch vorkommen, was die Kinderso zu essen dabei haben. Man muss aber bedenken, dass westlicher Fastfood auch hier starken Einzug erhält. Außerdem muss ihnen das Essen von morgens um sechs Uhr bis zum Abendessen reichen. Manchmal staunen auch wir noch über die Sachen, die die Schüler aus ihren Vesperdosen herauszaubern.

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  1. Das Schulmaterial

Ganz normal war es für uns, dass es am Anfang eines jeden Schuljahres eine Liste mit Materialien gibt, die die Eltern zu besorgen haben. Vom Heft, über die Stifte bis zum Wasserfarbkasten. In Lesotho bekommt jedes Kind die Hefte von der Schule. Zu Beginn des Schuljahres werden die Hefte an die Schüler verteilt und diese sollten dann auch eine bestimmte Zeit benutzt werden, bis es neue gibt. Die Schulbücher sind immer in den Klassen und werden nicht von einzelnen Kinder geliehen, sondern vom Lehrer verteilt. Dies bedeutet auch, dass sich zwei bis drei Kinder gemeinsam ein Buch teilen müssen. Die anderen Schulmaterialien beschränken sich bei den Kleineren auf Bleistift, Spitzer und Radiergummi und bei den Großen auf einen Kugelschreiber (der nur manchmal funktioniert),Lineal,manchmal Zirkel und bei viel Glück noch Buntstifte. Im Gegensatz dazu hat ein Grundschüler in Deutschland meist zwei Mäppchen, da nicht alle Stifte in eines passen. Auch die Schulranzen sind nicht mit altersgerechten Scouts zu vergleichen. Es sind meist nur einfache Rucksäcke, die bis oben hin vollgestopft sind.

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Barbie + Pink = der perfekte Rucksack

  1. Das Reinigungspersonal

Für uns ist es ganz normal, dass ein Klassenzimmer nach Schulschluss von den Schülern aufgestuhlt wird und danach Reinigungskräfte die Schule putzen.

Hier kümmert sich aber jede Klasse selbst um ihr Klassenzimmer, indem festgelegte Gruppen von Schülern jeden Tag nach der Schule mit einem Strohhandfeger das Klassenzimmer putzen. Dies ist notwendig, da durch das mittlerweile trockene Winterklima jeder Raum nach einem halben Tag mit einer dicken Staubschicht bedeckt ist. So sieht man nach Unterrichtsschluss natürlich auch die Kleinsten mit drei Jahren mit den Fegern gut geübt und sehr akkurat ihr Klassenzimmer fegen.

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  1. Kontrollsystem

Neu war für uns auch, dass die Kinder nicht wie in deutschen Schulen zur Selbstkontrolle ihrer Arbeiten angeleitet werden und sich selbst im Austausch mit dem Lehrer berichtigen sollen, sondern das jede auch noch so kleine Arbeit vom Lehrer kontrolliert und bestätigt wird.

Das läuft dann so ab:

Auch nach jeder Abschreibaufgabe, bei der die Schüler nicht mal nachdenken müssen, wird jedes Heft eingesammelt und einzeln vom Lehrer, meist während des Unterrichts verbessert und „gemarkt“. Dies wird gerade dann zum Problem, wenn die Klassen so wie meine Fünfte aus 60 Schülern bestehen. Es ist ziemlich zeitraubend und das ist auch der Grund weshalb wir oft die Hefte kontrollieren, damit der Lehrer währenddessen unterrichten kann. Im Grunde hat das System, gerade bei den Kleineren, auch etwas Gutes, da sowohl der Lehrer, der Schüler und die Eltern direkt wissen, wie es um den Lernerfolg des Kindes steht.

  1. Medien

Natürlich war uns klar, dass in Lesotho keine Multimediatische oder ähnliches in jedem Raum zu erwarten waren und dennoch ist der Unterschied in der Unterrichtsgestaltung auffallend groß. In Deutschland ist man es gewohnt mit kopierten Arbeitsblättern, vielen Plakaten, einem Tageslichtprojektor und auf den weiterführenden Schulen dann auch mit Beamern, Smart Boards etc. unterrichtet zu werden. Hier gehören Kopien, wenn es keine Klassenarbeiten sind, zur Seltenheit und in einer Schule, die erst seit kurzem Elektrizität in jedem Klassenraum hat, kann man vom Rest natürlich auch nur träumen. Auch besitzen die Kinder keine Arbeitshefte. Umso schwieriger ist es natürlich einen kindsgerechten Unterricht für Erstklässler zu gestalten oder eine siebte Klasse auf die herausfordernde High-School vorzubereiten.Es ist aber immer wieder beeindruckend, mit wie viel Ehrgeiz manche Lehrer hier arbeiten, um Wissen doch möglichst anschaulich zu vermitteln.

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  1. Das Noten- und Testsystem

Man ist es gewohnt ein Halbjahres- und Jahreszeugnis zu erhalten, dass sich aus mündlichen und schriftlichen Noten zusammensetzt. Die Klassenarbeiten werden in speziellen Räumen oder mit Sichtschutz geschrieben, um Abschreiben zu verhindern.

In Lesotho dagegen gibt es jedes Vierteljahr Klassenarbeiten, die die gesamte Schule alle in einer Woche schreibt und die dann zusammengerechnet die Jahresnote ergeben. Wöchentlich geschriebene Tests oder eine mündliche Note fließen dagegen nicht in die Zeugnisnoten ein. Die Tests werden auch nicht im Klassenraum geschrieben, da es dort viel zu eng ist, sondern einfach dort, wo man Platz findet. So sieht man dann auf dem ganzen Schulgelände Kinderin der Sonne sitzen, die in Ruhe ihre Tests schreiben. Auch wenn die Kinder mal enger beieinander und unbeaufsichtigt herumsitzen, wird sonderbarerweise nicht abgeschrieben. Jedes Kind versucht aufzuschreiben, was es weiß.

Anders ist auch die Ergebnisverkündung, denn die Testergebnisse jedes einzelnen Kindes werden vor der ganzen Klasse veröffentlicht, zusätzlich hängt in jedem Klassenzimmer eine Liste, in der die Schüler nach Leistung aufgezählt und in Notenkategorien eingeteilt stehen. So ist ein viel direkterer Vergleich und Wettbewerb möglich. Am Ende eines jeden Vierteljahres bekommen die besten Schüler vor der ganzen Schule Preise überreicht.

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  1. Morning Assembly

Während in Deutschland um 7:50 Uhr die Schule beginnt, indem der Lehrer kurz Guten Morgen sagt oder in seltenen Fällen ein Morgengebet vorangeht, läuft in Lesotho noch die Morning Assembly ab. Bei dieser, jeden Morgen stattfindenden Versammlung, stellen sich alle Kinder nach Klassen sortiert in Reihen vor dem Lehrer auf, der die Assembly abhält. Es wird mit einer formalen Begrüßung begonnen, darauf folgen verschiedene Gebete und dann tragen Schüler je einer Stufe Gedichte oder Lieder vor. Freitags gibt es immer ein Quiz zwischen den Klassen. Es ist bemerkenswert,dass die Kinder schon ab der 1. Klasse lernen vor mehreren Hundert Mitschülern zu sprechen.

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So sehen 1000 Kinder aus

  1. Lehrer/Schüler Verhältnis

Wir sind aus Deutschland einen meist respektvollen, freundlichen und distanzierten Umgang mit unseren Lehrern gewohnt. Natürlich gibt es solche und solche Lehrer aber generell würde ich sagen, dass jeder jedem mit Respekt und Wohlwollen begegnet, solange man dieses nicht verletzt.

Hier ist der Unterschied, dass es den Lehrern erlaubt ist, die Kinder mit Stockhieben in die Hand zu bestrafen. Diese Tatsache ändert natürlich den Umgang zwischen Schülern und Lehrern. Der Umgang bleibt dennoch respektvoll jedoch doch einfach strikter.

Ansonsten werden die Kinder bei wirklich jeder Gelegenheit als Laufburschen herangezogen. So heißt es: Hol mir kurz das oder geh kurz dahin und sag dies und das. Diese Aufgaben übernehmen die Kinder jedoch wie in Deutschland stets gerne und mit einem Lächeln im Gesicht. Auch sind wir immer wieder erstaunt mit wie viel viel Hingabe und Freude die Lehrer ohne jede Freistude, die Kinder unterrichten und ihren Schützlingen helfen.

Außerdem ist es nicht abwegig, dass die Schüler den Lehrern bei privaten Tätigkeiten helfen, wie zum Beispiel deren Garten umgraben oder den Lehrern kurz einen Pfirsich vom Baum pflücken sollen. Hier ist das aber im kulturellen Zusammenhang vollkommen normal.

  1. Unterrichtssprache

Die Muttersprache ist die Unterrichtssprache. So sind wir das aus Deutschland gewöhnt. Einzige Ausnahme sind natürlich die Fremdsprachen, die jedoch meist auf Deutsch und der jeweiligen Fremdsprache unterrichtet werden. An der Kingsgate ist die Unterrichts- und Umgangssprache Englisch. Das heißt, dass jedes Fach außer Sesotho auf Englisch unterrichtet wird und auch die Kinder untereinander Englisch reden müssen, da sonst Strafen drohen. Somit erlernen die Schüler schon im Kindergarten eine Fremdsprache und lernen im Verlauf der Jahre diese schon nahezu perfekt zu sprechen, was ihnen in der heutigen Welt natürlich viele Türen öffnet. Andererseits ist dies auch oft der Grund weshalb viele Kinder nicht so gute Leistungen erbringen können, da das Beantworten eines Testes auf English eine zusätzliche Hürde für sie darstellt. In Lesotho müssen zudem viele Formulare etc. auf Englisch bearbeitet werden, da Englisch die zweite offizielle Landessprache ist.

  1. Schulbussystem

7.30 und 13.00 Uhr rollen in Deutschland die Massen an Schulbussen zur Schule, um die Schüler innerhalb einer halben Stunde in alle Himmelsrichtungen zu fahren. Das System funktioniert meist reibungslos und jedes Kind ist zu einer bestimmten Uhrzeit Zuhause.

Hier gibt kein öffentliches Verkehrssystem mit Bus und Bahn, wie in Deutschland, der Nahverkehr funktioniert ausschließlich über Minitaxis, die zu sehr unregelmäßigen Zeiten fahren.

Für Schulen existiert jedoch eine Art privat organisiertes Schulbussystem mit Minitaxis, die Kinder zu festen Zeitpunkten abholen. Dies sieht sehr unorganisiert aus, folgt aber einem strikten Plan, da die Kinder wissen, welches Taxi genau in ihre Heimat fährt. Manche Kinder werden auch mit kleinen normalen Taxis abgeholt und nach Hause gebracht. Vereinzelt werden die Kinder auch zu Fuß oder mit dem Auto abgeholt. Viele laufen auch nach Hause, wobei man sich nicht den in Deutschland üblichen Nachhauseweg eines Grundschülers von vielleicht 10-20 Minuten mit trödeln vorstellen sollte, sondern Märsche von bis zu 1,5 Stunden.

Nach Schulschluss sitzen also die Kinder auf dem Pausenhof und warten, bis sie abgeholt werden. Es ist meist ein chaotisches Durcheinander von dauerndem Autogehupe (damit jeder weiß, dass sein Taxi da ist), spielenden Kindern und Eltern, die die Kindergartenkinder abholen. Dieses Gewusel hält dann ca. 30 Minuten an, wobei nach dieser Zeit längst nicht alle Kinder abgeholt worden sind. Manche warten sogarvon 13 bis 15 Uhr bis ihr Taxi kommt.

Auch die Kinder, die nach Hause laufen, spielen oft noch ein bis zwei Stunden, bis sie sich auf den Weg machen.

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  1. Schulkleidung

In Deutschland ist das Thema Schuluniform schon seit längerem ein heißes Diskussionsthema. Es werden Vor- und Nachteile abgewogen und es geht immer um die Frage, ob durch die Uniformen eine Art Gleichheit unabhängig vom Einkommen der Eltern geschaffen wird oder es die Selbstentfaltung der Schüler einschränkt.

In Lesotho dagegen ist Schuluniform an jeder Grundschule und High-School Pflicht. Außerdem ist auch die zu tragende Frisur vorgegeben. Entweder man trägt eine strenge Flechtfrisur oder man lässt sich die Haare komplett abrasieren. Die Schüler tragen die Schuluniform jeden Tag und manche auch Sonntags in die Kirche. Die Uniform wird jeden Tag von jedem Kind selbst gewaschen (auch wenn es erst 5 Jahre alt ist). Und fast jeder Junge hat eine perfekte Bügelfalte in der Hose, wenn auch mache Familien weder fließend Wasser noch Strom haben, ganz zu schweigen von einer Waschmaschine, um die Hemden weiß zu waschen. Die Schuluniform ist hier das schickste und wertvollste, was ein Kind besitzt und dementsprechend stolz wird sie auch getragen. Nichts desto trotz genießen die Kinder jeden Tag vor den Ferien, an dem sie mit offenen Haaren und Klamotten ihrer Wahl zur Schule kommen dürfen und dies auch immer dementsprechend zelebrieren.

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Wie echte Filmstars

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Reise in die Drakensberge

Wir haben uns dazu entschlossen in unseren Osterferien eine kleine Reise durch Lesotho zu machen. Besonders haben uns hier die Drakensberge gereizt, da wir auch gerne wandern wollten. So sind wir dann am Gründonnerstag um 5 Uhr morgens mit einer befreundeten Lehrerin losgefahren. Die ersten 300 km hat sie uns mitgenommen, von ihrem Heimatort aus sind wir dann mit Minibustaxis die restlichen 400 km gefahren. Die Fahrt führte uns durch die wunderschöne Berglandschaft Lesothos bis hoch auf 3000 m Höhe. Die Straßen verliefen oft in Serpentinen, vorbei an einsamen traditionellen Basotho Dörfern oder kerzengerade über die Hügel. Währenddessen konnten wir einen beeindruckenden Sonnenaufgang und Blumenfelder inmitten des sonst eher kargen Land bestaunen.

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An unserer Destination, dem Sanipass, angekommen, bot sich für uns dann ein Panorama, welches die anstrengende 14-stündige Fahrt voll und ganz rechtfertigte. Das Wetter war traumhaft und wir standen am Abgrund des Sanipasses an der Grenze Lesothos und hatten einen traumhaft weiten Blick auf Südafrika. Wir waren einfach nur fasziniert und verbrachten deshalb auch den ganzen restlichen Tag an der Klippe.

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Auf dem Sanipass befindet sich ein Hotel, mit angrenzendem Hostel und dem höchsten Pub Afrikas. Dort haben wir die nächsten zwei Nächte übernachtet. Der Pub ist mit einer entspanntesten und unwirklichsten Orte, an denen ich in meinem Leben jemals gewesen bin.

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Am nächsten Morgen sind wir nach einer kurzen Nacht um 5:30 Uhr schon wieder aufgestanden, haben den Sonnenaufgang bei einer Tasse Kaffee auf der Terrasse genossen und sind dann nach einem leckeren Frühstück zu unserer Wanderung aufgebrochen.

Wir hatten eine Wanderung (32km) zum höchsten Berg Lesothos und gleichzeitig dem höchsten Berg südlich des Kilimandscharos, dem Thabana Ntlenjana mit 3400m Höhe geplant. Wir sind dann mit unserem ganz privaten Wanderführer Joseph um 7 Uhr aufgebrochen. Am Anfang sah das Wetter noch eher bescheiden aus, dann klarte es aber etwas auf. Die Wanderung war mit Abstand das Anstrengendste was wir in Verbindung mit Wandern jemals in unserem Leben gemacht haben. Es war sowohl die Höhen- als auch die sehr kalte Luft, aber besonders die krassen Berge, die immer wieder zu erklimmen und zu überwinden waren, die die Wanderung so anstrengendgemacht haben. Wir haben viele Pausen gemacht und viel gequatscht. Gegen 12 Uhr haben wir dann nach 5h endlich den Gipfel erklommen. Erfüllt von Stolz genossen wir mit schmerzenden Beinen die tolle Aussicht, die leider vom Nebel etwas gedämpft wurde. Wir machten Mittagspause und genossen es auf dem Dach Südafrikas zu sein, wenn es auch sehr kalt und windig war, so wie es sich eben für einen 3000er gehört. Beim Abstieg zog dann leider das Wetter zu und es begann zu regnen, weshalb wir klatschnass wurden, was jedoch unsere gute Laune nur bedingt trüben konnte. Am Abend wärmten wir uns dann bei einem Glühwein am Ofen der Lodge auf und haben uns mit Leuten aus aller Welt unterhalten und sind dann todmüde ins Bett gefallen.

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Am nächsten Morgen wollten wir dann eigentlich den Sanipass bis nach Südafrika runterwandern, jedoch war das aufgrund des Nebels nicht möglich. Und so haben wir dann schweren Herzens Abschied vom Sanipass genommen und sind mit sehr netten Kapstädtern den Pass runter zu unserem nächsten Hostel gefahren. Hierbei muss man erwähnen, dass es sich bei dem Südafrikanischen Sanipass um eine nicht geteerte Ruckelpiste handelt, bei dem selbst das beste Allradauto ordentlich durchgeschüttelt wird. Nach einer sehr abenteuerlichen Fahrt sind wir dann in unserem zweiten Hostel angekommen.

Dort fanden wir eine gänzlich andere Natur mit erfrischend anderem Klima vor. Das Hostel lag schön gelegen zwischen Ausläufern der Drakensberge, das Wetter jedoch erinnerte eher ans Mittelmeer. Im Hostel haben wir viele nette Backpacker getroffen und auch mal wieder deutsch mit anderen Menschen außer uns zwei geredet.

Am nächsten Morgen versuchten wir erst mal herauszufinden, was wir in unseren verbleibenden zwei Tagen noch unternehmen wollten. Auf jeden Fall wollten wir noch mal wandern gehen, da dies für uns der Hauptgrund gewesen war in die Drakensberge zu fahren.

Außerdem wollten wir auch noch ein bisschen Südafrika entdecken, dazu bot sich uns auch die perfekte Möglichkeit, denn zufällig fand genau an diesem Wochenende das „SPLASHY FEN FESTIVAL“ statt, das älteste und eines der berühmtesten Festivals Südafrikas und eines der besten der Welt. So sind wir dann vormittags in unseren mehr oder weniger festivaltauglichen Klamotten losgegangen und mit einer netten Familie aus Johannesburg bis nach Underberg gefahren, von dort aus sind wir dann mit feierwütigen Festivalbesuchern aus Durban bis zum „Splashy“ gefahren. Dort angekommen war es dann genau so cool wie erhofft. Die ganze Atmosphäre war an Lässigkeit kaum zu überbieten. Das Festival Es war ein großer Gelände mit mehreren Bühenen ( Tree stage, River stage, Accustic stage, dance , main stage) auf jeder war immer ein künstler, weshalb man eine sehr große Auswahl hatte. Besonders toll war die Band „Monark“ , die sehr moderne und coole Musik machten. Auch hammer war „Ed Matthews“ mit dem Song „ What he means“.

Die Stimmung war super gut. Mittags war sie ehr familiär und voller Sommerstimmung. Viele Familien waren da und auf neben der Bühne am Fluss schwammen und plantschen viele Festivalbesucher im Fluss. Es war wie im Sommerurlaub und wir fühlen uns ganz befreit von der Verantwortung bei unserem Freiwilligendienst und wie ganz normale Jugendliche, was auch mal wieder schön war.

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Am Abend fühlte es sich dann schon wieder mehr nach Festival an durch die Dunkelheit und die Dance Musik. Als es dann später wurde mussten wir uns auf den Heimweg machen. Dafür hatten uns die Festivalhelfer freundlicherweise ein Taxi organisiert, das uns zurück zu unserem Hostel bringen sollte. Zu diesem wurden wir dann Witzig erweise mit einem Golfcar chauffiert. Es war alles in allem ein sehr witziger Tag.

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Am letzten Tag sind wir dann wie geplant noch mal wandern gewesen. Das Hostel schlug uns eine Tagestour mit Wasserfall und Steinpool vor. Am Vormittag sind wir losgewandert. Hoch auf den Hausberg und dann am Kamm der Berge weiter bis ins Hinterland. Es war landschaftlich ganz anders als in den Drakensbergen, nicht so steil und rau aber immer mit den hohen Bergen als Kulisse. Mit unserem Musiklautsprecher dabei haben wir die Wanderung, die Musik, die Natur und die Einsamkeit genossen. An einem Steinpool war es dann besonders schön, da es ein perfektes natürliches Schwimmbad war. Das war auch der Grund, weshalb wir trotz des sehr kalten Wassers ein paar Runden schwammen.

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Auf einem tollen Panoramaweg ging es dann wieder das Tal runter. Am Wasserfall vorbei und über ca. 100 Bäche, durch die man immer barfuß durchwaten musste. Das eigentliche Highlight der Wanderung, ein großer Wasserfall, konnte man leider durch die vielen Bäume nur erahnen. Unten angekommen sind wir dann noch schnell zu einem anderen Wasserfall gegangen bevor pünktlich um sechs Uhr die Sonne unterging.

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Und schon ging es wieder nach Hause. Am nächsten Morgen um sieben Uhr haben wir uns auf den Weg gemacht nach Underberg, wo die Minitaxis in Richtung Sanipass und Lesotho losfahren. Dort mussten wir leider zwei Stunden warten, bis der Bus voll war und es somit endlich losging. Ab dann ging es in einem atemberaubenden Tempo den Sanipass hoch. Es schaukelte und schwankte bedenklich, da die Sammeltaxis das genaue Gegenteil eines Allradautos sind, sodass wir ein klein bisschen Angst bekamen, die Musik war aber so laut, dass unsere Wahrnehmung eh ein bisschen benebelt war und wir zum Glück die Geräusche des sehr ramponierten Taxis nicht hören mussten. Man glaubt es kaum, aber das Sammeltaxi ist an jedem noch so guten neuen Allradriesenauto von Ford vorbeigedüst, was vor allem der Erfahrung der Fahrer zuzuschreiben ist. Dann fuhren wir mit mehreren anderen Taxis bis nach Leribe. Dort hat uns eine Freundin mitgenommen und wir kamen um 10 Uhr abends nach 15h Fahrt endlich an. Anstrengend war da natürlich der nächste Tag, der um 7:50 Uhr mit dem Schulbeginn schon wieder all unsere Konzentration forderte…

Das wars,

Sala hantle Clara und Hannah

PS: Letzen Sonntag haben wir den Gottesdienst der Anglikanischen Kirche besucht, wir wollten nämlich unbedingt mal einen richtigen „afrikanischen“ Gottesdienst mit Gospelchor, Trommeln und einfach viel mehr Elan, als der normale katholische Gottesdienst, sehen. Gesagt getan und es war wirklich atemberaubend toll! Unglücklicherweise war der Kirchenchor nicht da, die vielen Kirchenbesucher konnten das aber mehr als ausgleichen. Der Pfarrer hat uns sogar vor der ganzen Kirche vorgestellt und wir haben Plätze in der ersten Reihe bekommen. Die ganze Kirche hat uns willkommen geheißen und sich auch am Ende bei uns erkundigt, wie es uns gefallen hat.

Zweiter Monat

Zweiter Monat

Lumelang,

Heute melden wir uns mal wieder aus Mafeteng, um euch zum einen zu berichten, welche Erlebnisse wir in den letzten Wochen hatten und zum anderen, um ein paar Geschichten mit euch zu teilen, die sich hier schon so ereignet haben.

Was so passiert ist…

Eröffnung der Bücherei

Nach drei Wochen Arbeit, sieht die Bücherei endlich aus wie eine Bücherei

Letzte Woche haben wir am Mittwoch die neu bestückte und geordnete Bücherei eröffnet. Wir haben es uns dabei natürlich nicht nehmen lassen, dies ein wenig zu zelebrieren. Schon früher sind wir in die Schule und haben Luftballons aufgehängt. Den Schülern war auch gleich klar, dass heute etwas Besonderes sein muss und stürmten schon, als sie die Ballons sahen, zur Bücherei. Es mussten sich aber alle noch ein wenig gedulden, denn wir haben die Schüler nur klassenweise hineingelassen.

Großer Ansturm

Es ging los mit der Reception (Vorschule). Jedes Kind bekam nach der Einführung, wie man sich in einer Bücherei zu benehmen hat, ein Leselern-Buch von uns. Das eigentliche Problem wurde uns erst bewusst, als 120 Fünfjährige uns flüsternd und nuschelnd ihren nun ja für uns alle sehr ähnlich klingenden Namen sagen sollten, damit wir sie in die Liste eintragen konnten. Wir hatten nicht bedacht, dass es vorkommen kann, dass ein Kind seinen Nachnamen weder weiß noch buchstabieren kann. Es war eine lustige Situation, aber auch eine sehr langwierige Prozedur, weshalb uns kurzerhand zuerst die Schulleiterin und später ein anderer Lehrer half. Ab Klasse 3 war das dann aber auch kein Problem mehr.

Kaum das Buch in der Hand, schon wurde los gelesen

Es war schön zu sehen, wie die Kinder sich gefreut haben, ein Buch ausleihen zu können und die strahlenden Kinderaugen haben die doch sehr eintönige dreiwöchige Sortierarbeit in der Bücherei mehr als entschädigt. Witzig war, dass manche Erstklässler aus Versehen zweimal versucht haben ein Buch auszuleihen, weil sie doppelt in die Bücherei geschickt wurden.

Einige ältere Schüler haben sich auch schon an richtige Schmöker oder Wissensbücher herangetraut. Wir hoffen die Bücher nun wieder in passablen Zustand und gelesen zurückzubekommen, mal sehen wie das klappt.

Klasse 5

Alles in allem war die Büchereieröffnung sehr anstrengend, aber für uns ein toller Tag, denn man hat richtig gemerkt, dass wir hier etwas Großes geschaffen haben. Wir mussten schon schmunzeln, als wir gesehen haben, wie Kinder in der Pause, anstatt wild herumzutoben, in ihr Buch versunken im Klassenzimmer saßen und einfach nur zufrieden waren.

Auch die Lehrer waren angetan von der sich nun bietenden Möglichkeit für die Kinder.  Ms. Masiu, die Schulleiterin, sagte uns später, dass Lesen auch hier wichtig für den Erhalt der Kultur sei und die Lesekultur bedingt durch den Einfluss von Smartphones und TV, ähnlich wie in Deutschland, immer weiter aussterbe. Gerade hier in Lesotho bemerkt man den Kontrast zwischen dem einfachen kulturellen Leben und der Moderne sehr.

Auch heute eine Woche später, als die Kinder ihre Bücher zurückgeben haben, war die Freude noch nicht verflogen. Die Schüler und Schülerinnen erzählten begeistert, dass sie das Buch mit Mutter, Vater, Bruder oder Großvater gelesen hatten.

Die Bücherei werden wir jetzt jeden Donnerstag und Freitag den kompletten Vormittag öffnen und Klasse für Klasse jedem Kind ein Buch vermitteln, dass es in der nächsten Woche wieder mitbringen muss.

Bei so viel Auswahl strahlen die Kinder

Cultural Day

Einmal im Jahr, nämlich am Geburtstag des ersten Königs Lesothos Moshoshoe ׀. ist in Lesotho feiertags Wochenende. Auch an der Kingsgate Primary School findet dann immer ein ganz besonderer Tag statt, der sogenannte Cultural Day. Unser Vorgänger Leif Habermann hat uns schon begeistert von diesem Tag erzählt. Was uns dann jedoch am 08.03.2018 erwartete ist mit Worten sehr schwer zu beschreiben.

Schon im Voraus, ca. eine Woche vorher, waren alle voller freudiger Erwartung und Anspannung. Die Schülerinnen und Schüler übten und probten begeistert und manche auch ganz heimlich ihre Tänze und Theaterstücke für diesen Tag. Es schien, als sei die Schule nur leidige Begleiterscheinung. Alle fragten uns, was für ein traditionelles Kleidungsstück wir den tragen werden. Wir jedoch hatten noch keinen Schimmer und dachten wir kommen einfach in unseren normalen Klamotten, bis den Tag vorher eine Lehrerin mit einer mysteriösen Plastiktüte vor uns stand und uns, nachdem wir einen kurzen Blick hinein erhaschen konnten, den Inhalt als unser traditionelles Outfit vorstellte. Wir hatten die leise Vorahnung, dass es sich nicht einfach nur um Tracht in Form eines normalen Kleides handeln konnte, sondern um etwas Freizügigeres.

Als wir dann am besagten Tag zur Schule liefen, bot sich uns ein buntes und faszinierendes Bild. Alle Schüler, die wir sonst nur in ihrer Schuluniform kennen, hatten bunte Kleider, Röcke, Ketten und Decken in allen erdenklichen Farben und Konstellationen an. Es war nicht nur ein traditionelles Outfit vertreten, sondern viele verschiedene. Wirklich jedes Kind lachte, tanzte und war einfach nur glücklich und stolz uns seine Tradition zu zeigen und zu erklären. Wenn man glaubt aus einem traditionellen Dorf zu kommen, merkt man hier jedoch schnell, dass Kultur und Tradition hier viel intensiver und vielfältiger gelebt werden und das schon von den Kleinsten.  Die Kinder konnten ganze Geschichten erzählen, zum Beispiel über die Kette, die sie tragen. Es wurde in großen Gruppen getanzt und gespielt und von uns natürlich jede Menge Fotos geschossen!  Auch die allmorgendliche Morning Assembly war um einiges bunter und entspannter als normal. Nach der Versammlung dachte niemand daran ins Klassenzimmer zu gehen, sondern es wurde weiter getanzt und gesungen, bis der BEAT ertönte, und alle Kinder auf einmal auf einen großen Platz vor der Schule lossprinteten. Wir jedoch blieben nur verdattert stehen, entschieden uns dann aber doch auch in Richtung Musik zu gehen. Was uns dort für eine Show geboten wurde, werden wir wohl nie wieder vergessen. Sowas erlebt man weder in einem deutschen Club noch auf irgendeinem Festival. An die 1000 Kinder, die hüpfend und tatsächlich auch mega gut tanzend, völlig auf den Klang der Musik ausflippen. Erwähnenswert hierbei ist, dass eigens für diese große Party ein DJ mitsamt fetter Musikanlage angestellt wurde. Man vergesse nicht – für Kinder zwischen 3 und 14. Die Musik war, wie wir feststellten, genau unser Geschmack, afrikanische Elektromusik gemixt mit ein paar Charts. Es tanzten die Größten mit den Kleinsten und irgendwie alle zusammen. Eine Ausgelassenheit und Fröhlichkeit war zu spüren, wie wir sie so noch nie erlebt haben.

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Alle tanzen gemeinsam schon vor Schulbeginn

Als der DJ, zur großen Enttäuschung der Kinder, die Musik unterbrach, begann der offizielle Teil, bei dem jede Klasse etwas Traditionelles also ein Tanz oder ein Theaterstück aufführte. Die Kinder platzen fast vor Stolz nach ihren Auftritten und auch wir bekamen eine ganze Menge der Kultur der Basotho mit, wenn auch die ganzen Festlichkeiten auf Sesotho abgehalten wurden. Während der Zeremonie wurden wir auf einmal beiseite genommen, um unsere traditionellen Kleider anzuziehen. Es handelte sich dabei wie vermutet, um die Thithana. Das ist die frühere, sagen wir mal steinzeitähnliche Bekleidung der Basotho. Bestehend aus einem sehr kurzen Lederrock, Lederoberteil und einer Art Gesäßschürze. Dazu wurde unser Gesicht noch traditionell verziert (heißt in der Modernen Welt, unser Auge wurde mit Tipp-Ex umrandet 😊). So ausgestattet traten wir dann in die Mitte des Kreises aus Schülern und tanzten gemeinsam mit drei gleich „gekleideten“ Lehrerinnen und Schülerinnen einen traditionellen Tanz. So wurden wir nach 7 Wochen im Land offiziell in das Volk der Basotho aufgenommen, in ein Volk, welches sich als große stolze Gemeinschaft versteht und dem eine lange Geschichte und Tradition vorangeht, wenn auch das Land sehr klein und die Nation noch sehr jung ist.

Wir mit der Schulleiterin Ms. Masiu

Während der Festlichkeiten wurde traditionell gekocht. Brot aus dem Topf, Moroho (ähnlich wie Spinat), Kürbis, Maiskolben und Bohnenmaiseintopf. Nach den Festlichkeiten wurden diese dann, nachdem jedes Gericht noch einmal einzeln vorgestellt wurde, gemeinsam mit den Schülern gegessen. Die Party mit DJ ging danach noch ein paar Stunden weiter.

Nach drei Stunden tanzen waren alle sehr sehr hungrig

Am Ende des Tages ging jedes Kind, jeder Lehrer und auch wir müde, glücklich und sehr zufrieden nach Hause.

Selfie time

Das ganze Fest wirkte wie ein Entfliehen vor dem Schulalltag, den alltäglichen Problemen und der Modernen Welt.  Es war geprägt von Stolz auf das eigene Land, einem Stolz der hier so normal ist, wie alles andere. Einem Stolz, den schon jedes Kind in sich trägt, den es uns spüren lässt und uns mit in diesen einbezieht.

….viele weitere Bilder findet ihr in der Galerie. 🙂

Lesotho ist, wenn

Nun zu einer Rubrik, die sich im Laufe unser Zeit hier immer wieder begegnet ist. Es ist eine Rubrik, die zeigt wie verschieden Lesotho und die Basotho im Verhältnis zu Deutschland und den Deutschen sind.

Lesotho ist, wenn

Sonntags fast jeder Laden offen hat und jeder spontan nach der Kirche noch den Wochen-einkauf macht.

Es regnet, während die Sonne aus einem eigentlich blauen Himmel scheint. Und der babyblaue Himmel zehn Minuten nach einem weltuntergangwürdigen Gewitter wieder so aussieht, als wäre nie etwas passiert.

Dein Nachbar abends um sieben Uhr bei völliger Dunkelheit entscheidet, mit einer Flauschdecke um den Körper gewickelt (Pink-lila-weiß-grün-gestreift) in die Stadt zu laufen, um noch schnell sein Frühstück für morgen zu kaufen.

Manche Lehrer, obwohl sie doppelt so viel arbeiten wie der faule Lehrer im Nebenzimmer, keinen Cent mehr verdienen.

Das Internet trotz ständigem 4G-Netz, freitags und sonntags Abend nicht funktioniert, da zu diesem Zeitpunkt gefühlt jeder Basotho online ist und es deshalb schwer überlastet ist.

Man bei jedem (täglichen) Gewitter nur darauf wartet, dass der Strom ausfällt, was dann zuverlässig auch fast jedes Mal passiert. Selbst dann, wenn man gerade am Abendessen kochen ist.

Niemand sein Auto wirklich dann tankt, wenn es leer ist, sondern manchmal einfach gar kein Sprit im Tank ist, um weiter als zur Tankstelle zu fahren und man deshalb nicht einfach mal irgendwo hinfahren kann.

Der größte Sportladen des Landes so groß, wie ein Kiosk ist und man dort dennoch alles bekommt, was das deutsche Sportlerherz wünscht.

Frauen am Straßenrand jeden Tag an selbstgebaute Grillstellen gebratenen Mais verkaufen (für70 ct) und das obwohl es 30 Grad hat.

Man Bier, Wein etc. nicht im Supermarkt, sondern nur im extra Alkoholstore bekommt.

Das komplette Leben aufgrund eines Regenschauers stillsteht (kein Kind kommt zum Fußballtraining, einige nicht in die Schule und sicherlich niemand ins Gym).

Jedes Kind stricken kann und man oft sieht, dass es einfach, wenn ihm langweilig ist, das Strickzug auspackt.

Der einzige Tag, an dem kein Kind in die Schule muss, nicht der Sonntag, sondern Moshoeshoe Tag ist (in der High School geht man auch samstags und sonntags in die Schule).

Mädels dich einfach so auf der Straße um ein gemeinsames Selfie bitten und das einfach nur, da sie wahrscheinlich noch nie auf einem Bild mit einem Weißen waren, das aber „supercool“ fänden (so berühmt werden wir uns in Deutschland nie wieder fühlen).

Deine Fußballspielerinnen trotz mehrfacher Ermahnung und Erklärung im Rock und Jeans ins Training kommen.

Kleine Geschichten aus dem Königreich

Zwischen tausenden von Büchern und tausend Schülern in der Bücherei

Wir glaubten und glauben fest daran, dass es zu 100% notwendig ist, jedem Kind jede Woche ein neues Buch zu geben, um eine Art Leseroutine zu schaffen. Man jedoch dabei vergisst, was für eine utopische Mammutaufgabe es ist, tausend Schüler in zwei Tagen durch die Bücherei zu jagen. Es ist unfassbar anstrengend, aber der Stress lohnt sich.

Nach 1000 Namen, hat man sich das Wochenende so richtig verdient

Die Geschichte vom betrogenen Taxifahrer

Sich nicht übers Ohr hauen lassen, obwohl man weiß ist, ist unser Mantra. In einem Land indem jeder der nicht dunkelhäutig, entweder ein Tourist oder ein Peacecorp aus den USA ist, muss man schon aufpassen, dass man nicht einfach doppelt so viel für die Tomaten am Stand und die Fahrt nach Maseru zahlt, so wurde es uns auch von den Einheimischen immer wieder bestätigt. Man erklärte uns ausführlich was Dinge wie ein gegrillter Maiskolben (10R), eine Banane (3R) und eben auch eine Taxifahrt innerhalb der Stadt (6,5R) kosten, damit wir gegen alles gewappnet sind. Mit dieser Sicherheit im Rücken, machen wir uns, als wir nach dem Einkaufen mit vollen Tüten zu faul waren heimzulaufen, auf zu den Taxiständen. Wir gehen motiviert zum ersten halbwegs fahrtauglich aussehenden Taxi und fragen, was denn eine Fahrt nach Hause (2,5 km) kostet. Dieser denkt (etwas zu lange) nach und sagt dann lässig: „40R“. Wir, die es nicht glauben können, fragen noch zweimal nach ob er echt vierzig meint. Er bestätigt uns dies erneut und reagiert auch nicht, als wir ihm zu vermitteln versuchen, dass uns durchaus klar ist, dass das viel zu viel ist. Bei Taxifahrer Nummer zwei, denken wir uns dann schon leicht angenervt- jetzt sind wir nicht mehr so dumm. Wir fragen erneut, was denn eine Fahrt kosten würde. Taxifahrer zwei scheint auch zu überlegen, wie viel dreist wäre. Er sagt dann jedoch: „20R“. Das ist ja immer noch viel zu viel, denken wir uns. Wir haben keine Lust uns wie dumme Touristen bequatschen zu lassen, aber eben auch nicht heimzulaufen.  Deshalb sage ich: „Wir wissen, dass das zu teuer ist, wir gehen mit für 10R.“. Der Fahrer willigt ein und bringt uns zusammen mit anderen Fahrgästen schnurstracks nach Hause. Als wir ausstiegen, drücken wir ihm die 10 Rand in die Hand und waren fast ein bisschen stolz auf uns.

Als wir abends dann einem Freund ganz stolz davon erzählen, sagt  dieser nur: „Ihr habt ihm nur 10R gegeben? Ihr wisst aber schon, dass es ja 6,5R pro Person also 12 R kostet?“. Uns erwischt es eiskalt, das hatten wir bei unseren Berechnungen ja total vergessen! Er schmunzelt: „Da habt ihr ihn ja übers Ohr gehauen!“. Wir wissen bis heute nicht, ob wir uns schämen oder einfach nur darüber lachen sollen…

Die Aushilfslehrer

Es ist Montag, nach einem entspannten Wochenende laufen Clara und ich hochmotiviert und top vorbereitet ins Kassenzimmer der 6. Klasse, da wir dort nach Schulschluss Deutsch AG haben.  Es ist 13:04, also höchste Zeit und wir beginnen gegen die große Unruhe ankämpfend schon mal die Tafel zu wischen, um uns bemerkbar zu machen. Wir überblicken den großen Pulk aus aufbrechenden, noch schreibenden und herumrennenden Schülern kaum und wollen gerade, alle rausschmeißen, die nicht an der Deutsch AG teilnehmen und damit endlich anfangen. Als eine Schülerin Clara fragt: „Wir machen dann morgen die Sport AG?“. Clara kommt leicht fassungslos in mein Klassenzimmer gestürmt und sagt: „Ähm Hannah, ist heute nicht eigentlich Montag und deshalb Sport AG???“. In meinem Kopf fängt es an zu rattern und wir bemerken, Mist, da haben wir auch echt mal was total durcheinandergebracht! Denn normalerweise ist montags Sport AG und dienstags Deutsch AG. Wir suchen fieberhaft nach einer Lösung, um unseren eigentlich perfekten Wochen AG Plan zu retten und die Schüler nicht völlig zu verwirren. Ich sprinte kurz entschlossen übers Schulgelände hole Hütchen, Bälle, Hemdchen und ganz wichtig Staffelstäbe und werfe mich noch kurz ins Sportoutfit, während Clara alle Kinder einsammelt und zum Sportplatz lotst. Dann renne ich auf den Platz und baue in Windeseile die Übungen auf, Clara macht das Aufwärmen. Es ist 13:15. Danach startet der Staffellauf, bei der die Klasse auch noch Bestzeit läuft. Am Ende erklären wir noch das abschließende Gruppenspiel, als hätte nie ein anderer Plan für diesen Tag bestanden. Unsere Ehre ist gerettet, fast niemand hat was gemerkt und wir sind fast ein bisschen stolz auf unsere Spontanität. Wahrscheinlich haben die Basotho schon ein bisschen auf uns abgefärbt.

Vertretungsstunde in Englisch mit vollem Körpereinsatz

Die WhatsApp Nachricht

Es ist zehn Uhr abends am Sonntag, wir sitzen ganz entspannt auf dem Sofa und lesen, als ich eine Nachricht bekomme. Sie kommt von unserem Nachbar und in ihr heißt es einfach nur ganz nüchtern: „Kein Wasser die nächsten zwei Wochen“. Wir von dieser Aussage leicht schockiert, denken fieberhaft darüber nach, was das zu bedeutet hat, obwohl es rein logisch klar ist. Wir versuchen uns einzureden, dass diese Nachricht etwas vollkommen anderes und viel weniger schlimmes zu bedeuten hat. Wenig später kommt unser Nachbar dann zu uns rüber und erzählt uns ganz ausführlich, das Reinigungsarbeiten gemacht werden und deshalb für bis zu zwei Wochen die ganze Stadt kein fließendes Wasser haben wird.

Uns schießen Fragen durch den Kopf wie – Wie kochen wir? Wie waschen wir? Wie duschen wir? Und wie gehen wir bitte aufs Klo? Natürlich gibt es für all diese schwerwiegenden Probleme hier in Lesotho, wo viele gar nie fließend Wasser haben eine ganz einfache Lösung. Das Plumpsklo der Schule wird benutzt (ist auch nur 100 m entfernt) und geduscht, gewaschen und gekocht wird mit Wasser, dass mit Eimern aus den Regentonnen der Schule geholt wird.

Es erscheint alles sehr logisch und einfach und dennoch ist unsere Stimmung sehr gedämpft, als wir unsere letzte Dusche nehmen und dann am nächsten Morgen wirklich kein Wasser mehr aus der Leitung kommt. Es ist schon anstrengend immer alles umzuschütten, mit Wasser aus Schüsseln seine Haare zu waschen und immer, auch im Dunkeln auf`s Plumpsklo rennen zu müssen. Die volle Dröhnung hatten wir dann, als an einem Tag auch noch der Strom länger als gewohnt ausfiel und man sich tatsächlich fühlte, wie in die Steinzeit zurückversetzt. Von Einheimischen hören wir nur: „Ihr werdet euch schon dran gewöhnen“. Und erstaunlicherweise merken ja viele gar nicht, dass es kein Wasser gibt. Und tatsächlich haben wir uns nach 3 Tagen an die Umstellung gewöhnt. Zu unserer großen Überraschung kommt aber schon am Fünften Tag glücklicherweise das Wasser zurück, da der Reinigungstrupp sich anscheinend beeilt hat. Wir freuen uns wie kleine Kinder, sind erleichtert, genießen den Luxus, wenn das Wasser wenn auch noch leicht milchig, aus der Leitung kommt und sind in jedem Fall um eine Erfahrung reicher.

Erster Monat

Erster Monat

Lumelang,

Wir melden uns wieder aus dem zur Abwechlung mal kalten und bewölkten Lesotho. Nun sind wir schon einen Monat hier und fühlen uns hier jetzt auch schon richtig zuhause. Unsere angedachten Projekte haben wir wie geplant angefangen, aber es kam noch einiges dazu.

Genaue Informationen zu den Projekten, findet ihr unter der Rubrik Projekte.

Zunächst wollen wir einmal von unserem Eindruck von Land und Leuten berichten. Wir haben uns erstaunlich schnell an das Leben und die Lebensweise hier gewöhnt. Die Basotho (Einwohner Lesothos) machen es einem aber auch leicht, da sie ein so herzliches und zufriedenes Volk sind, die sehr stolz auf ihre noch junge Nation und ihre Kultur sind.

Man vergisst manchmal fast, dass man sich in einem der ärmsten Länder der Erde befindet, das mit so vielen Widrigkeiten wie HIV oder Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat. Es ist sehr erfüllend, wenn man wenigstens im ganz kleinen gerade den Kindern das Leben verschönern kann, indem man ihnen zum Beispiel die Möglichkeit bietet Sport zu machen und sie so in gewisser Weise zu inspirieren. Und dennoch wird auch einem immer wieder bewusst, dass man nicht das ganze Land retten kann.

Es ist oft schwer zu ertragen, dass die Lebensbedingungen hier sehr schwierig sind.  Ein gutes Beispiel ist, dass kaum eine Familie hier fließend Wasser hat und es sich so auch niemand leisten kann, lange Haare zu tragen. Nahezu alle Frauen hier haben Perücken, kleine Flechtfrisuren oder tragen ihre Haare kurz geschoren. Erstaunlich ist, dass man den Menschen auf der Straße nicht ansieht, dass ihr Lebensraum meist nur eine einfache Hütte ist-  Auch besitzt kein Kind einen Satz Sportklamotten oder ein Paar Kickschuhe, dass es zu unserm Training tragen kann. Auch ist die Schuluniform oft zerschlissen, auch wenn sich die Eltern sehr viel Mühe geben, die Hosen der Jungs beispielsweise haben immer eine perfekte Bügelfalte. Trotz alledem begegnen die Menschen hier dem Leben mit einer sehr großen Akzeptanz und investieren viel in die Bildung ihrer Kinder.

Gerade die Kinder hier sind so unfassbar herzerwärmend. Ein paar Bespiele hier für:

Wenn Clara und ich morgens von unserer Wohnung zum Schulgelände laufen, tönt es aus allen Richtungen. „Morning teacher“, „Hello Miss Clara and Miss Hannah“ und gerade die jüngeren Schüler rennen mit einem Strahlen im Gesicht auf uns zu und klatschen mit uns ab oder wollen uns umarmen.bdr

Auch am Valentinstag hatten wir ganz besondere Momente. Ein Tag der in Deutschland eher den Ehepaaren oder Verliebten zugeschrieben wird, ist hier ein generelles Fest der Liebe. So kam es auch, dass wir von den Kindern aus unseren Klassen zuckersüße Briefe und selbstgebastelte Geschenkchen überreicht bekommen haben. Die Briefe enthielten ca. 100-mal den Satz „I love you teacher“ aber auch Worte des Dankes für unsere Arbeit. Das hat unseren Glauben in den Sinn unseres Aufenthaltes hier bestärkt.

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Auch toll ist es, wenn man auf dem Schulhof einfach mal einen Schüler trifft, der dich mit deutschen Worten zu begrüßen oder verabschieden versucht und das obwohl man erst zweimal die Deutsch-AG unterrichtet hat.

Nun möchten wir noch von unseren Projekten berichten.

Mädchenfußballmannschaft

Hierfür und für die Sport- AG waren wir diese Woche zweimal in der Hauptstadt Maseru und haben Sportmaterialien eingekauft. Das war eine sehr witzige Aktion. Denn man hatte uns verpochen, dass wir in den größten Sportladen des Landes gehen würden. Als wir diesen dann betraten, stellte sich heraus, dass es sich um einen großen Kiosk mit einer 3 m² Verkaufsfläche handelte. Man glaubt es kaum, aber in dem Laden haben wir alles bekommen bzw. bestellen können, was wir brauchten. Dazu zählen Fußbälle, Hemdchen, Hütchen, Springseile, Staffelstäbe und sogar eine Koordinationsleiter. Außerdem haben wir uns noch zwei Pfeifen gegönnt, um unsere Stimmen etwas zu schonen.

Durch Spenden, die wir im Vorhinein zum einen durch einen Muffinverkauf am Kolleg St. Sebastian verdient haben und zum anderen durch das Preisgeld des „Young Women in Public Affairs Award“ der Organisation Zonta, den ich (Hannah Wehrle) gewonnen habe, konnten wir das alles finanzieren. Dies macht es uns um einiges leichter, diese große Anzahl an Schülern besser und vielseitiger unterrichten und trainieren zu können. Und es war auch toll zu sehen, wie die Kinder darauf reagiert haben.

Heute erlebte unsere Euphorie aber einen kleinen Dämpfer.

Zur Situation:

Wir haben jeden Samstag ab 9 Uhr Training auf dem Bolzplatz. Als wir heute bepackt mit den neuen Materialien am Platz standen, erschien kein einziges Mädchen. Die einzige Erklärung die uns hierfür einfiel war, dass die Kinder das Wetter zu schlecht fanden. Ja, es hatte in der Nacht geregnet und war für Lesotho Verhältnisse empfindlich frisch (13 Grad).

Wir warteten einige Minuten und als wir die Hoffnung schon nahezu aufgegeben hatten, trudelten eins nach dem anderen die Mädchen mit Verspätungen von bis zu einer Stunde ein, sodass am Ende zehn Mädels da standen. Die kleinlaute Rechtfertigung war, dass alle dachten, bei so einem Wetter würde niemand trainieren. Für uns abgehärtete Schwarzwälderinnen war diese Witterung jedoch perfektes Fußballwetter. Als es dann aber erneut zu regnen begann, beschlossen wir das Training mit nicht einmal der Hälfte der Spielerinnen in ein altes Versammlungsgebäude zu verlegen. Hier konnten wir erstaunlich gut ein paar Übungen machen und so den leicht missglückten Fußballmorgen retten.bty

Unsere „Sporthalle“

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Unsere Maedels ganz gluecklich mit den neuen Sportmaterialien.

 

Bibliothek

„Lesen ist der Schlüssel zur Welt“ heißt es. Fast jeder von uns erinnert sich bis heute an Kinderbücher, die er gelesen und nie wieder vergessen hat. Schwierig wird das Ganze, wenn man Schüler unterrichtet, die in einem so armen Land leben, in dem Bücher nicht zu Hauf im Kinderzimmer stehen. Deshalb wurde vor einigen Jahren von einer Freiwilligen der Peace Corps aus den USA die Schulbücherei neu aufgebaut. Mittlerweile ist dieses Projekt aber schon wieder im Sande verlaufen, da die Lehrer schlicht keine Zeit haben sich um die Bibliothek zu kümmern. Als wir die Bibliothek nun eingestaubt und sehr chaotisch vorfanden, hatten wir die Idee diese wieder mit Leben zu füllen. Hinzu kam, dass bereits 18 Kartons mit jeweils 100 Buchspenden bereitstanden, die einfach noch keiner ausgepackt hatte. Die Bücher stammen aus ganz Amerika und wurden meiste von Unibibliotheken und Privatleuten gespendet. Die Vielseitigkeit der Bücher ist erstaunlich. Sie reicht vom Kinder Bilderbuch, über einen Thriller bis zum hochkomplizierten Enzyklopädie oder Schulbuch.                                                                 Nun strukturieren wir die Bibliothek um, und tauschen altes Material gegen Neues.

Unser Ziel ist es, dass die Kinder Bücher ausleihen können und somit die Möglichkeit haben so viel zu Lesen, wie sie wollen und somit einen guten Beitrag zu ihrer Bildung leisten.

Wir möchten die Bibliothek nächste Woche eröffnen.

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Hannah beim Buecher auspacken.

Andere interessante Geschichten aus dem Königreich im Himmels haben wir hier für euch zusammengestellt:

Sammeltaxis

Wenn man von Mafeteng aus in eine andere Stadt wie Maseru will, ist die üblichste und auch billigste Möglichkeit ein Minitaxi zu benutzen. Hierunter versteht man einen völlig ramponierten VW bzw. irgendeinen 12-Sitzer Bus, der auch gern mit 17 Personen über die Straßen des Landes brettert. Hierbei kann man schlecht planen wie lange eine Fahrt dauert, da er an jeder erdenklichen Stelle annhält um Leute ein oder aussteigen zu lassen oder einfach nur versucht Passanten zum Mitfahren zu überreden. In dem Bus an sich ist eine heiße stickige Luft und um die laute Musik zu übertönen wird einfach noch viel lauter geredet und diskutiert. Es wird alles und jeder eingeladen, der irgendwie reinpasst und der Sicherheitsgurt ist mehr modisches Accessoires des Busses als Nutzgegenstand. Wir haben ganz uncool unseren doch benutzt.                                                Trotz alle dem bringen die Taxis einen “sicher“ ans Ziel.

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Im Setsotho Stadtion

Wie man in unserer Galerie sehen kann waren wir auch schon im Setsotho Stadion in Maseru. Das war eine ganz besondere Erfahrung. Die Partie war ein afrikanisches Champions League Spiel zwischen der besten Mannschaft aus Lesotho dem Bantu FC aus Mafeteng und dem Mbabane Swallows aus Swasiland. Leider hat Bantu FC verloren, das war aber kein Grund für die Bantu Fans und ganz Mafeteng sowohl vor dem Spiel als auch danach keine riesige Fußballparty in Gelb/ Schwarz zu feiern. Das Spiel an sich war anders als ein europäisches Spiel. Es war viel wilder und unkontrollierter, aber die Fans und Spieler waren mindestens genau so emotionsgeladen.  Es war alles nicht halb so kommerziell wie bei uns, es ist erlaubt sich sein Essen und Trinken selbst mitzubringen, deshalb sah man Familien auch große Kühlboxen über die Ränge hieven. In der Halbzeit, zeigten zwei BMX Radfahrer ein paar Kunststücke und vor dem Spiel gab es noch eine ganz andere ungeplante Showeinlage, denn es raste ein Flitzer über den Platz.

Das Leben als Bunter Hund

Wie ergeht es zwei weißen Mädels wie uns in Lesothos Straßen? Hierzu muss man wissen, dass Lesotho nicht wie Südafrika einen hohen Anteil an weißer Bevölkerung hat. Auf gut Deutsch heißt das, dass sich zurzeit in Mafeteng kein weißer Mensch außer uns rumtreibt. Im Alltag bedeutet das, dass man angestarrt wird oder ganz ungeniert von kleineren Kindern berührt wird, ab und zu wird auch „lekhooa“ gerufen, was „weißer Mensch“ bedeutet. Es heißt aber auch, dass wildfremde Menschen sich an einen erinnern und freundlich grüßen und mit einem großen Lächeln reagieren, wenn man sie auf Sesotho grüßt oder ein paar Worte mehr sprechen kann. Zum Beispiel erinnern sich die Supermarktkassierer an uns und quatschen gerne mit uns. Generell sind viele interessiert wo wir wohnen, was wir machen, wie lange wir bleiben und wo wir herkommen. Es ist auch schon ein zweimal passiert, dass Mütter von uns so angetan waren, dass sie uns mit ihrem Sohn verheiraten wollten. Am Anfang fühlt man sich noch wie ein bunter Hund, doch das wird mit der Zeit besser. Witzig ist, dass mittlerweile wir immer leicht geschockt reagieren, wenn wir einen Hellhäutigen beispielsweise in Maseru sehen.

Wir melden uns wieder, wenn etwas spannendes passiert 🙂

Sala Hantle (Auf Wiedersehen)

Clara und Hannah

10 Tage im Königreich im Himmel

10 Tage im Königreich im Himmel

Lumelang zu unserem ersten Blogbeitrag,

Nun sind wir schon fast zwei Wochen in Mafeteng und haben uns gut eingelebt. In der ersten Woche war alles noch sehr neu und schwierig, doch durch die Hilfe der Lehrer finden wir uns jetzt langsam besser zurecht. Jetzt wo wir den ersten Kulturschock ueberwunden haben („man fuehlt sich wie im Geofilm“), lernen wir die positiven Eigenschaften des Landes zu schaetzen. Und davon gibt es, wie wir festellen, zu Hauf.

Zunaechst wollen wir unsere ersten Eindruecke von Land und Leuten mit euch teilen. Die Basotho (Einwohner von Lesotho) und auch die ganze Landschaft sind etwas sehr besonderes. Viele Personen, die wir treffen, seien sie uns bekannt oder wildfremd, gruessen uns freundlich, sind interessiert an unserer Arbeit hier und gerade die Kinder strahlen uns immer mit einem Laecheln an. Zum Einen sind da die Lehrer, die stehts um unser Wohlbefinden besorgt sind und uns schon nach wenigen Tagen voll in ihr Leben einbezogen haben. Aber auch viele uns noch unbekannte Menschen, die man vielleicht erst einmal auf der Strasse gesehen hat, erinnern sich an uns und winken uns froehlich zu.

Generell erscheint hier kaum jemand schlecht gelaunt, gestresst oder genervt. Das Leben hier wird einfach auf eine entspanntere Weise gesehen, als in Deutschland. Hektik scheint ein unbekanntes Gefuehl. Der durschnittliche Basotho zum Beispiel geht mit der halben Geschwindigkeit wie wir und wenn der Elektriker neun Uhr sagt, stellt er den Wecker auf neun und kommt um elf.

Die gleiche Ruhe und Gelassenheit strahlt auch die Landschaft aus. Die Berge tauchen wie aus dem Nichts aus und die kleinen Haeuser mit Wellblechdaechern und die Rundhuetten stehen, wie gewuerfelt, wild verteilt im Land. Das Wetter ist momentan auch noch sehr angenehm sonnig und warm und nur teilweise durchbrochen von heftigen Gewittern. Erstaunlich ist der Konstrast zwischen unberuehrter Natur und vollgemuellten Strassen.

Zu unserem Projekt:

Nach intensiver Unterrichtsbeobachtung haben wir uns dafuer entschieden, die Lehrer der Klassen fuenf und sechs zu unterstuetzen. Dort sind wir sowohl Hilfs- als auch Ersatzlehrer und haben schon die ein oder andere Stunde alleine gemeistert. Dies ist ziemlich anstrengend, aber auch bereichernd. Wenn man zum Beispiel 50 Zehnjaehrige in Schach halten und nebenbei noch die Unterschiede zwischen den Weltreligionen auf Englisch erklaeren soll.

Auch unseren ersten Sportnachmittag haben wir heute mit ca. 80 Kindern begonnen. Die 5. Klaessler waren mit ein paar Fangspielen und einem Staffelwettkampf relativ einfach zu begeistern, waehrend den Ueberblick zu behalten eher schwierig war.

Morgen werden wir dann endlich auch die Deutsch AG starten. Dadurch wollen wir den Kindern die Moeglichkeit einer weiteren Fremdsprache eroeffnen und gleichzeitig von Deutschland und der Welt berichten.

Bis auf Weiteres,

Sala hantle (Tschuess) und bis bald eure

Lerato ( Liebe) und Mpho ( Geschenk ), unsere Sesotho Namen.

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Zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Moderne

Zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Moderne

Lesotho ist ein Land, das wie nur wenige zwischen eigener Tradition und westlichem Einfluss gefangen ist. So wird in den Städten wie Mafeteng und Maseru ganz à la États-Unis gelebt. Fast jeder hat ein Smartphone, selbst die älteren Schüler an der Kingsgate Primary School haben eines. So scheint es auf uns etwas merkwürdig wirken, auf fließend Wasser im Haus ohne Probleme verzichten zu können aber nicht ohne sein Smartphone leben zu wollen. Doch diese Frage löst sich direkt in Luft auf, sobald man sich vor Augen führt, dass das Handy die einzige Quelle zu schnellen Informationen von überall ist neben dem Fernseher, den hier in den Städten auch jeder besitzt. Und somit öffnen Handy und Fernseher das Fenster in die digitale, weite Welt.

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Out of Africa…

Out of Africa…

Schon ein Monat ist vergangen, seitdem ich mich mal wieder auf meine Reise ins Abenteuer Afrika  begeben habe. Für die ersten Tage jedoch nicht ins gewohnte Lesotho, sondern zusammen mit einem Freund nach Kapstadt. Kapstadt… eine Stadt mit so vielen Facetten wie ihre Bewohner… so wunderschön und hässlich… Eine Stadt, in der zwei Welten aufeinanderprallen, in der Arm und Reich so dicht beieinander liegt, parallel existieren, als lägen tausende Kilometer zwischen beidem und doch stetig kollidieren und kollaborieren. Eine Stadt die fasziniert.

Zurück in meiner mittlerweile zweiten Heimat Lesotho begann direkt wieder der Schulalltag. Am Morgen des 25. Januar sah ich zum ersten mal das, was ich im Oktober, ja bis vor wenigen Augenblicken, niemals gewagt hätte mir so vorzustellen: Den Schulgarten. Beziehungsweise den fein säuberlich bestellten und von hunderten Händen gehegten Traum eines Schulgartens. Überall wuchsen von Mais über Kürbis, Bohnen und Spinat bis hin zu Wassermelonen unterschiedlichste Gemüse- und Obstsorten. Und all das gepflegt von den elf bis 14-jährigen Schülern über die gesamten Sommerferien ohne jeglichen Zwang oder Aufsicht. So haben die Schüler eigenständig einen Arbeitsplan für die einzelnen Tage samt Schichten erstellt. Dieser Moment hat mich einfach nur unheimlich stolz auf „meine“ kleinen Gärtner gemacht.

Es war und ist immer noch einfach wunderschön an der Kingsgate Primary School sein zu dürfen.  Am Morgen Unterricht in der dritten bis siebten Klasse und am frühen Nachmittag die Arbeit im Garten (92 Schüler) oder mit der Deutsch-AG mit derzeit 10 Schülern. Nach der Schule habe ich mir dann wie schon die ersten Monate über die Zeit vertrieben. So vergingen die letzten Wochen wirklich wie im Fluge.
Dazu beigetragen hat auch der Besuch von zwei guten Freunden und ehemaligen Klassenkameraden vom 11. bis 19. Februar. Es war wirklich eine wahnsinnig lustige, erlebnisreiche und einfach coole Woche. Zwar hat es ständig geregnet, jedoch waren wir trotzdem in Thaba Bosiu, in der Umgebung wandern, auf Rennpferden ohne Sattel reiten, selbstverständlich in der Schule und im Garten und den herrlichen Geschmack des ganzen Stolzes Lesothos, Maluti, ausgiebig genießen.

Allgemein regnet es in letzter Zeit ziemlich viel… So wirkt es doch so, als sei Lesotho doch ein paar Jahre zu lange Kronkolonie des Britischen Empires gewesen und es hätte sich nicht nur das Frühstück mit Baked Beans, Sausages und Scrumbled Egg eingebürgert, sondern auch das für seine strahlend blauen Sommerhimmel bekannte englische Wetter etabliert. Ich sitze in Wollpulli,  -socken und langer Jogginghose und friere mir den A**** ab. Das zum Thema Sommer in Afrika. Aber man ist ja bekanntlich immer über das Wetter am meckern… 35 Grad und Sonnenschein… „ Es ist viel zu heiß…“.  22 Grad und tagelang Regen… „Es ist zu kalt und nass“. So will ich mich mal nicht weiter beschweren, denn im allgemeinen bin ich doch recht erfolgreich aus dem endenden deutschen Spätsommer im Oktober in den afrikanischen Sommer vor der klirrenden Kälte geflüchtet. Und passend werde ich dann zum Winterbeginn im Juli zurück in den Sommer zurückkehren. „Fast 12 Monate dauerhaft Sommer… Läuft bei mir“, hätte ich da wohl vor 3 Jahren noch sagen können und wäre laut Langenscheidt im perfekten Jugendslang unterwegs gewesen.
Doch nun bin ich ja nicht mehr berechtigt, mit Jugendwörtern um mich zuschmeißen, zumindest nach der Einschätzung der Schüler, wie alt „Sir Leif“ ist: 24-26. Meine Versuche, mein Alter (19) richtig zu stellen werden jedoch regelmäßig im Keime erstickt, mit der Begründung, dass ihre älteren Geschwister ja schon 20+ seien.
So gebe ich mich schließlich geschlagen und gestehe ein, doch 24 zu sein und das sowohl mein Geburtsdatum auf Führerschein, Reisepass und Personalausweis falsch seien, was mit einem breiten, triumphalen Grinsen von Hlaks und Moeletsi als eine akzeptable Antwort abgenickt wird. Währenddessen versucht eine Gruppe um Mpiti und Mahali gefühlt sämtliche meiner Kontakte über Whatsapp anzurufen, um mit ihnen die deutschen Sätze auszutauschen die sie in einer Vertretungsstunde mit mir gelernt haben. Nach dem Verlust des Interesses wird sich dann nach wenigen Minuten meinen Fotos zugewandt und jedes Bild, egal ob es sich um ein Softeis oder atemberaubende Aufnahme aus dem Flugzeug handelt, mit einem inbrünstigen „Oh“ und „Ah“ kommentiert oder Candycrush, etc. gespielt. Und das ist das, was ich so außer gärtnern im Garten  tue. Mein Alter versuchen zu rechtfertigen und mein Handy im Blick behalten. Doch genau das ist es, was mir im Garten so gut gefällt: Den Sir ablegen zu können und nicht mehr mit einer gewissen Distanz, die während des Unterrichts existiert, mit den Schülern sprechen, spaßen und entspannt arbeiten zu können.

Montagmorgen, 10 Uhr, Kingsgate Primary School, Hospital Area, 900 Mafeteng: „Injection-Day“
Es geht los. Drei weiße Landcruiser und ein Minibus, alle mit getönten Scheiben, fahren auf dem Pausenhof vor. Heulende Kinder rennen mit angsterfüllten Gesichtern über das Gelände.
Zu viele Eltern, als das es noch normal wäre, schwirren laut schnatternd von Klassenzimmer zu Klassenzimmer durcheinander, suchen ihre Schützlinge. Die Lehrer wirken angespannt; brechen abrupt den Unterricht ab; Mateboho Masiu enteignet gerade drei Lehrer verteilt auf zwei Gebäude ihrer Klassenzimmer. Die Schüler packen ihre sieben Sachen und werden auf andere Klassen verteilt. Alle haben eines gemeinsam – ob Mutter, Vater, älterer Bruder oder fast jeder Schüler – sie tragen ein kleines gelbes Büchlein oder „Bukana“ mit sich umher.
Auf der Seite der drei Wagen erkenne ich schemenhaft ein blaues Logo.
9 Männer und Frauen mit großen Kühlboxen steigen aus den Fahrzeugen. Sie wirken ausdruckslos, ja gesichtslos, so, wie ich mir die grauen Herren in Michael Endes „Momo“ mir vorgestellt habe. Einziger Unterschied: sie tragen weiß. Doch dann tritt Mateboho auf sie zu. Freundliche Begrüßungen auf Sesotho werden ausgetauscht. Ich glaube, ein kurzes Lächeln erahnen zu können. Einen Wimpernschlag später schon wieder erloschen.
Sie verteilen sich auf die freigeräumten Klassenzimmer, kehren zu ihren Wagen zurück. Noch mehr Kisten werden in die Klassenzimmer geschleppt. Eine Wagentür fällt laut ins Schloss. Und da steht es in großen Lettern unter dem blauen Globus mit Lorbeerkranz und Schlange: „World Health Organization“.
Selbiges Logo prankt auf den hunderten gelben Bukanas.
Und da erinnere ich mich an die Aussage der Nonnen im CTC, als sie mir die Nachrichten letzte Woche übersetzt haben. Es sind landesweit an allen Schulen Masern- und Polioimpfungen angekündigt. Unter Leitung der WHO und Unterstützung der Königin Masenate Seeiso von Lesotho zur direkten Bekämpfung einer gefürchteten Epidemie, nach dem Auftreten erster Fälle.
Diese Impfungen, so wurde mir gesagt, sind Pflicht. Wer sich nicht in der Schule impfen lässt, muss dies im Krankenhaus machen lassen. Und sie sind kostenlos, im Gegensatz zu jeder anderen medizinischen Behandlung in Lesotho und Südafrika, die immer direkt bezahlt werden muss. Ein Krankenversicherungssystem, wie wir es aus Deutschland oder der restlichen EU kennen, existiert nicht.
Nachdem sich die Ärzte und Schwestern ihre Klassenzimmer eingerichtet hatten, wurde von der Vorschule aufwärts klassenweise durchgeimpft. Für jeden Schüler wurde, für Lesotho leider nicht immer selbstverständlich, eine neue sterile Spritze verwendet, die danach direkt in einem versiegelten und mit „biological hazard“ gekennzeichneten Mülleimer entsorgt wurde.
Derweil war ich damit beschäftigt, die geimpften Kinder am Fingernagel mit einem extra Stift zu markieren, der solange halten soll, bis die Impfkampagne komplett abgeschlossen ist.

Wie sich herausgestellt hat, liege ich mit meinem ersten Eindruck der Ärzte und Schwestern völlig falsch. Denn diese Männer und Frauen stehlen keineswegs Zeit, so wie es die grauen Herren getan haben, sondern sie schenken Zeit. Zeit, die Kinder damit verbringen können, mit ihren Freunden zu spielen, zu lernen und ihr Leben zu leben, anstatt schwer krank zu sein.

Dieser Tag hat mich wahnsinnig beeindruckt. Während wir in Deutschland den Luxus leben können, über die Sinnhaftigkeit  oder Sinnlosigkeit von Impfungen zu sinnieren, leiden anderswo auf der Welt noch immer Kinder ihr Leben lang an Krankheiten, die eigentlich nicht mehr existieren müssten.  In den letzten Jahren ist unter der Federführung der Königin nicht nur die Gesundheitsversorgung und Impfversorgung deutlich verbessert worden. Auch die Anzahl der HIV-Neuinfektionen ist seit 2005, 4 Jahre nach der Hochzeit mit König Letsie III. und dem Beginn ihrer Tätigkeiten, stetig rückläufig. (2005: 30.000 Neuinfektionen; 2015: 18.000 Neuinfektionen (UN-AIDS-Report 2014/15/16)). Zwar sind die Zahlen immer noch die zweithöchsten weltweit, gemessen an der Bevölkerungszahl, jedoch zeichnet sich doch ein deutlicher Trend ab. Man merkt an so vielen Orten, dass alles dafür gegeben wird, HIV und andere Krankheiten den Kampf anzusagen: Auf dem Flughafenklo (Gratiskondome), Impfkampagnen, Aufklärungsprogramme der WHO, des US-Peacecorps und der Regierung und stetige Werbekampagnen im Staatsfernsehen.
Auf der anderen Seite des Globus, der reichen Seite, brechen erst vor kurzem wieder Masern im großen Rahmen in Berlin aus, da sich Eltern aus ideologischen Gründen weigern, ihre Kinder zu impfen und somit auch das Leben der Kinder gefährden, die nicht geimpft werden können. Aber das ist wohl ein sogenanntes „first world problem“.

Mit diesen verschiedensten Eindrücken out of Africa möchte ich mich nach einem weiteren Monat Abenteuer Lesotho mal wieder melden.  Mit Schuld an der langen Stille war auch der Ausfall des Internets an der Kingsgate Primary für einige Wochen, über welches ich meine Blogs gewöhnlich hochlade.

Es ist warm!

Es ist warm!

(Diesmal möchte ich meinen Blog so beginnen, wie es sich gehört, da ich mich so lange nicht mehr gemeldet habe). Das Wetter war genial (32-35°C und tagsüber strahlend blauer Himmel und kurz vor Sonnenuntergang dann Gewitter mit starken Regenfällen). Doch warum schreibe ich überhaupt über das Wetter, das für einen Sommer im südlichen Afrika nicht außergewöhnlich zu sein scheint. Tatsächlich ist das Wetter derzeit für alle Basotho eine Erleichterung, wie wir sie uns gar nicht vorstellen können, denn letztes Jahr litt fast das gesamte südliche und östliche Afrika an einer Dürreperiode, wie seit 30 Jahren nicht mehr. Und so habe ich Lesotho bei meiner ersten Reise im Mai auch kennengelernt… trocken, dürr und braungelb. Doch dieses Bild hat sich in den letzten Wochen schlagartig geändert. Überall sprießt neues Grün auf den seit mehr als einem Jahr vertrockneten Flächen, die Staudämme, die Mafeteng und die umliegenden Dörfer mit Wasser versorgen füllen sich wieder, überall haben sich Teiche und Tümpel gebildet und überall ist ein fast ohrenbetäubendes Froschkonzert des nachts nicht zu überhören.
Und nicht zuletzt wachsen die Pflanzen im Schulgarten, als gäbe es kein Morgen mehr.

Aber nicht nur das Wetter ist genial. Die letzten Wochen im allgemeinen waren wunderschön. Nachdem die final exams gewritten waren, konnten wir (Schüler, Referendare und ich) uns im „Unterricht“ den wirklich wichtigen Dingen beschäftigen. Da wir, als Nichtlehrer, keine Befugnis hatten, die final exams zu korrigieren und die Zeugnisse auszustellen, mussten (Achtung Sarkasmus) wir uns voll und ganz der Schülerbespaßung widmen. So wurden wir, nachdem wir noch am vorherigen Tag den „bösen“ Lehrer bei der Beaufsichtigung der Arbeiten spielen mussten, mehr doch zu Kinderanimateuren, die, so finde ich, auch auf jedem AIDA-Kreuzer oder Robinson-Club nicht besser aufgehoben wären. Da die Ferien erst am 30.11. begannen, waren wir komplett mit der Arbeit im Garten, dem Versuch noch ein bisschen Unterricht zu machen und „Capture the Flag“ auf dem Sportplatz beschäftigt. Wer nicht wissen sollte, was „Capture the Flag“ ist, kann es ja googlen… Ich bin sicher, ihr schafft das, nachdem ihr schon meinen Blog in den Tiefen des Netzes gefunden habt.

Wenn ihr diesen Blogeintrag lest, bin ich höchstwahrscheinlich schon wieder in Deutschland. Denn ich schreibe gerade vom Johannesburger Flughafen O.R. Tambo und ich bin mir nicht sicher, ob ich hier noch Wifi finde. Aber warum bin ich gerade auf meinem Heimweg? Derzeit sind bis Mitte Januar die großen Sommerferien in Lesotho. Diese lange unterrichtsfreie Zeit nutze ich nun um ein bisschen Heimaturlaub zu machen und bin dann ab Mitte Januar bis voraussichtlich Ende Juni in Lesotho. Die Gelegenheit werde ich auch dafür nutzen, meine Bilder endlich hochzuladen, was bis jetzt nicht möglich war, da ich nur mobiles Internet genutzt habe und das mir zu teuer war, einen Haufen Bilder hochzuladen.

Was bisher geschah…

Was bisher geschah…

Am Mittwoch den 12. Oktober ging meine Reise ins Abenteuer Afrika vom Freiburger Hauptbahnhof gegen 16 Uhr los. Bis zum Sonntag, den 16. begleitete mich mein Vater nach Lesotho. Einerseits, um das Land, dass er bislang nur aus meinen Erzählungen und aus dem Fernsehen, etc. kannte, kennenzulernen. Andererseits natürlich auch, um die Kingsgate Primary School und meine Gastfamilie zu treffen und auch über meine gute Unterbringung sicher zu sein.

Nach kurzer Startschwierigkeit beim Lufthansa Check-In, da mein Rückflug erst Ende Juni gebucht ist und ich mein VISA erst in Mafeteng erhalten habe, konnten wir vor unserem Flug noch in der Lounge entspannen und dann um kurz vor 10 zu unserem Abfluggate gehen.
Nach einem ruhigen Flug landeten wir um 08:40 in Johannesburg.
Nun hieß es rennen! Denn für unseren Anschlussflug nach Maseru endete das Boarding schon um 9:10 und wir mussten noch durch das gesamte Terminal A (Internationale Flüge) rennen, die Zoll- und Sicherheitskontrolle für den Transit passieren und ein Stockwerk tiefer, mit Gürtel und offenem Rucksack in der Hand zu unserem Anschlussflug den gesamten Weg wieder zurückrennen. Völlig außer Atem schafften wir es aber noch rechtzeitig zu unserem Gate.
Nach einer kurzen Fahrt über das Vorfeld standen wir nun vor unserer Maschine, die im Vergleich zu unserem JUMBO-Jet von Frankfurt nach Johannesburg wie winzig wirkte, was sie auch tatsächlich war. Platz für rund 30 Passagiere.
Nach einem einstündigen Flug mit einer wahnsinnigen Aussicht auf die unendliche Weite Südafrikas und die atemberaubenden Berge landeten wir auf dem Moshoeshoe I.

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International Airport, Maseru, an dem wohl an so mancher deutschen Bushaltestelle täglich mehr Passagiere abgefertigt werden als hier. Jedoch hat die „Größe“ auch was. Die Einreise geht wahnsinnig schnell und mit der Freundlichkeit der Basotho, wie ich sie schon auf meiner letzten Reise erlebt habe.

Mit unserem Mietwagen fuhren wir dann zur Kingsgate Primary School, wo wir  von Mateboho Masiu, einigen Lehrern und Antonia, meiner Gastmutter und auch Lehrerin an der Kingsgate, herzlichst in Empfang genommen wurden. Nach Bezug unseres Zimmers im Lapeng Habu Bantu Guesthouse, wo wir bis zu der Abreise meines Vaters wohnten, sind wir zu meiner Gastfamilie gefahren. Nach einem gemütlichen Abendessen mit allen zusammen im Golden Hotel bin ich todmüde in mein Bett gefallen.

Am Freitag haben mein Vater und ich versucht, eine SIM-Karte für mein Handy und meinen Internetstick zu organisieren, was sich aber als ein unmögliches Unterfangen herausstellte, da im ganzen Land keine einzige Econet-SIMCard verfügbar ist (anscheinend Lieferschwierigkeiten). Deshalb habe ich jetzt für mein Handy eine Vodacom SIM-Karte, welche aber in Sachen Internet zu teuer ist… Deshalb warte ich auch noch heute (01.11.) auf die SIM-Karte für mein Laptop. Das ist auch der Grund, dass ich bis jetzt noch keinen Blog veröffentlicht habe und ich entschuldige mich wirklich dafür… Ich melde mich aber ab sofort öfter!!!!
Am Nachmittag sind wir mit den Lehrern zur Malealea-Lodge gefahren. Mit einer wirklich schönen Landschaft. Am Abend sind wir mit den Lehrern noch im Golden Hotel, Mafeteng Pizza essen gegangen… Die Pizza, bei dem sich jeder Italiener im Grabe umdrehen würde, schmeckte aber erstaunlich gut.

Am späteren Abend waren wir noch zum Tee bei der Familie, der herzlichen Dame, von der ich meine SIM-Karte hoffentlich in naher Zukunft beziehen werde und von der ich auch meine Vodacom-Karte habe. Die gesamte Familie – indischstämmig – ist äußerst freundlich und ich habe mich gut mit ihrem 18-Jährigen Sohn verstanden und auch eingeladen, mich am Wochenende, da er , in Südafrika zur Schule geht, mit ihnen zu treffen.

Am Samstagmorgen sind wir schon früh aufgestanden, um schon um 7 Uhr zur 3 ½ Stunden entfernten Maliba (gesprochen Madiba) Lodge aufzubrechen. Schließlich sind wir mit für afrikanische Verhältnisse um 8.30 Uhr pünktlich aufgebrochen. Nach einem Stop in Maseru bei KFC und einem Großeinkauf für 20 Personen und jeweils 2 vollwertigen Mahlzeiten ( 5 große KFC-Einkaufstüten – ja, so etwas gibt es – sind wir nach einer weiteren 1-stündigen Fahrt auf der Maliba Lodge inmitten der atemberaubenden Landschaft der Highlands in Lesotho angekommen mit einem wunderschönen Ausblick in das lange Tal und die majestätischen grünen Berge mit an den Steilhägen empor kletternden Antilopen….

Nun war es soweit: Es war Sonntag und es hieß sich nun von meinem Vater bis Weihnachten zu verabschieden.  Wir sind am Vormittag noch etwas herumgefahren und am Nachmittag dann zu meiner neuen Familie, um mein Gepäck abzuladen und meinem Vater dann zum Flughafen zu begleiten….

Die nächsten Tage waren ziemlich schwierig, denn ich hatte ziemlich mit dem Heimweh und der völlig neuen Umgebung zu kämpfen. In der ersten Woche besuchte ich alle Klassen, um einen genaueren Einblick in den Tages- und Unterrichtsverlauf zu erhalten. Auch ist am Montag meine Residence Permit bis zum 30.06.2016 genehmigt worden, was sich deutlich einfacher gestaltete, als ich mir je erträumen lassen hätte.

Am Freitag, den 21.10. bin ich ins CTC umgezogen, indem ich schon bei meinem letzten Aufenthalt gewohnt habe. Die Gründe, finde ich, müssen an dieser Stelle nicht genannt werden. Lediglich kann ich eins sagen: sie haben nichts mit der mit meiner Gastfamilie zu tun, die mich mit einer auch für lesothische Verhältnisse absolut nicht selbstverständlichen Warmherzigkeit und  Gastfreundschaft in ihre Familie aufgenommen haben. Ich besuche und treffe mich immer noch mit meiner M`e Antonia, meinem Ntate Marcel und meinem Gastbruder Thabiso.

Samstag, 22.10.2016: Morgens, 0800 am Einganstor der Kingsgate Primary. Merkwürdiges geschieht. Ein Bus steht vor dem Eingang. Aus der offen stehenden Tür und den geöffneten Fenstern wummert bassbetonte südafrikanische House- und Dancemusik. Die Lehrer sind fröhlich am Lachen, Singen und Tanzen. Alle Schüler der 7.Klasse auch. Eilig wird noch eine Anlage in den  Bauch des Busses verladen. Wie sich später herausstellen wird zur Beschallung des beschaulichen und idyllischen Ortes Morija, 30 km entfernt von Mafeteng. Den ganzen Tag!
Es ist Farewell, das heißt Abschlussfahrt für die 7. Klasse, bevor  sie ihre Grundschullaufbahn beenden und an unterschiedlichste Highschools weiterbüffeln dürfen. Das ist jetzt erstmal nach den Final Exams letzte Woche in weite Ferne gerückt. Heute, im hier und jetzt wird gelacht, gesungen getanzt und einfach alle Sorgen vergessen. Der Bus, im Rhythmus des Basses und der tanzenden Koerper auf und ab wippend, lässt die Bewohner Morijas Böses erahnen, denn Kingsgate kommt jedes Jahr im Oktober… Das lese ich zumindest aus den entsetzten, kreidebleichen Gesichtern der Menschen, die am Straßenrand stehen und es anscheinend vergessen haben Morija rechtzeitig zu verlassen, oder es nicht mehr geschafft haben, frei nach dem Motto: „Lasst die alten und gebrechlichen einfach zurück und rennt um euer Leben!“ Und so tanzten, picknickten und feierten alle Schüler und Lehrer!!! bis in den Sonnenuntergang hinein.
Auch habe ich mich mit Anna, einer Freiwilligen aus Freiburg und Freundin von Freunden – die Welt ist doch ziemlich klein – getroffen. Hier findet ihr ihren Blog.
18:30 war der ganze Spuk auch wieder vorbei… Wir befanden uns auf dem Heimweg nach Mafeteng.Wer jedoch glaubt, dass der Heimweg aufgrund der aufkommenden Muedigkeit ruhiger verlaufen ist, der Irrt gewaltig… Es wurde bis zum letzten Augenblick im Bus getanzt.

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Den Sonntag habe ich dazu genutzt, auszuschlafen und mich vom Samstag zu erholen.

In der letzten Woche habe ich meinen Stundenplan bekommen und ich unterrichte jetzt mit Hilfe der Lehrer in Klasse 1-6 Mathe und Lifeskills.

An den Nachmittagen treffe ich mich entweder mit meiner Gastfamilie oder ich ziehe mit einem der Lehrer, vor allem Thabelo Tseetse, eine Studentin, die sich noch in ihrem Referendariat an der Kingsgate befindet und mit der ich mich sehr gut verstehe, wie mit den anderen Lehrern auch. Jedoch ist der Altersunterschied zwischen 19 und 21 ja nicht ganz so groß…

Abends falle ich jeden Abend spätestens um 9 todmüde aber glücklich ins Bett….

Von grünen Bohnen, Klassenarbeiten und ob ich denn nicht friere…

Von grünen Bohnen, Klassenarbeiten und ob ich denn nicht friere…

Am 01.11. bin ich innerhalb des CTC in ein größeres Zimmer mit eigener Dusche umgezogen…
Ich wohne jetzt im selben Gebäude, in dem auch die Sisters und Mitarbeiter des Catholic Training Centers wohnen, was mir deutlich besser gefällt, da ich die letzten Tage alleine im Guestroom-Haus geschlafen habe und das irgendwie doch ein bisschen komisch ist… Jedenfalls sind die Nonnen und anderen Angestellten wahnsinnig nett und es ist immer was los. Selbst wenn mir mal langweilig werden sollte – was bis jetzt aber noch nie passiert ist – ist eigentlich immer jemand um mich rum, mit dem ich reden kann oder beispielsweise im Garten helfen kann… Nach dem Abendessen schaue ich dann meistens mit ein paar der Sisters und den Angestellten des CTC fernsehen, lache, rede und versuche, möglichst jeden Abend ein paar Brocken Sesotho zu lernen.

Jeden Donnerstag bin ich im Matheunterricht in der 4. Klasse. (Meinen Stundenplan stelle ich separat online.) So auch am 02.11…. Doch dieser sonnige, wunderschöne, aber um 8 Uhr morgens schon zu warme Morgen (25 Grad) war kein gewöhnlicher Donnerstagmorgen. Ich spürte die Anspannung, die Ruhe vor dem Sturm als ob die Gewitterwolken sich schon am Horizont aufbauten. Die Aufregung vor den Final Exams in Mathematik und Sesotho der 4. Klasse, die in zwei Schienen und 4 Räumen am selben Tag geschrieben wurden war auf dem gesamten Schulgelände zu spüren. Schüler rannten über den Hof, mit dem selben verzweifelten Blick, den ich noch zu gut von meiner Zeit als Vollzeitschüler vor so mancher Klassenarbeit kannte. Zumindest in der Zeit in denen das „Vollzeit“ in den tiefen meines Unterbewusstseins, vor dem flimmernden Bildschirm meiner Röhre oder am Boden des ein oder anderen Glases eines verführerisch golden schimmernden Saftes in Vergessenheit geraten ist. Wobei letztere Alternative zur Realitätsverzerrung bei Schülern einer Grundschule keinerlei Rolle spielt und es wohl doch eher an einer der unzähligen Soaps oder den Freunden lag, sich nicht mit der Berechnung von Flächen, den Grundrechenarten und dem dem Lösen von Textaufgaben zu beschäftigen. Jedoch möchte ich hier anmerken, dass ein Groß der Schüler, wie ich es empfinde deutlich zielstrebiger und lernwilliger in so Jungen Jahren ist, wie wohl die meisten westlichen Grundschüler. Man merkt, sie sind sich dessen Bewusst, was Bildung für ihr zukünftiges Leben bedeutet.
Und nun durfte ich, dessen 12-jährigen Erfahrung in der „unauffälligen“ Manipulation des Ausgangs von so mancher Klassenarbeit noch frisch in Erinnerung war, die Arbeit beaufsichtigen. (Anmerkung für meine ehemaligen Lehrer, sollten sie das hier zufällig lesen: Für „ich“ ist in den letzten Sätzen ein beliebiger anderer Name einzusetzen.)
Zumindest saß ich nun in Front von 25 Schülern, die mich mit dem Blick von unschuldigen Lämmern ansahen. Plötzlich tauchten immer mal wieder zeitgleich zwei Schüler ab, nachdem ihnen zufällig der Stift runter gefallen war und versuchten von ihrem Nebenmann Informationen abzugrasen. Ganz erstaunt stelltensie dann fest, dass ich vielleicht kein Sesotho verstehe, allerdings höre, wenn unter den Sitzbänken leise Sesotho gesprochen wird.
Dennoch blieb es bis auf ein paar Flüsterversuche ruhig und die meisten arbeiteten konzentriert.
Am selben Abend war ich dann noch mit der Korrektur der Arbeiten beschäftigt, was mir aber nichts ausmacht, da man dabei sehr gut runter kommt.

Am Samstag habe ich mich mit Thabiso und Antonia getroffen um auf einen der Hausberge Mafetengs zu steigen/klettern und danach bin ich mit Thabiso und Thabelo zum Sportplatz gegangen um den Basketballtunier zuzugucken und Tennis- und Skateversuche anzustellen, was deutlich besser klappte, als ich gedacht habe.

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Um 11 Uhr am Sonntag ist Anna aus Morija mit einem der Minibustaxen, die eigentlich den gesamten öffentlichen Verkehr stemmen, angekommen und wir sind den Tag über ein bisschen durch Mafeteng getingelt.

Montag war der Tag nach dem großen Regen, der von Samstagabend bis Sonntagfrüh um halb 10 angedauert hat. Und es hat wirklich geschüttet wie aus Kübeln und meine Gastmutter hat tatsächlich recht behalten: Wenn es in Lesotho aufgrund von Gewittern regnet, dann richtig, denn auch die Gewitter sind hier ordentlich.
Und nach den ersten großen Regenfällen im Sommer (Regenzeit) war es auch die letzte Woche spürbar kühler und angenehmer.
Bei 25 Grad am Mittag im Schatten finde ich es in langer Hose und Sweatshirt tagsüber doch ein bisschen zu warm. Doch das sehen die Basotho, mit denen ich so Kontakt habe, sowohl Schüler, Lehrer als auch Sisters und Mitarbeiter des CTC etwas anders. So gehört momentan neben den Standartfragen, was ich heute so mache und wie es mir heute so geht auch rituell dazu, ob ich denn nicht friere, wenn ich in Shorts und T-Shirt unterwegs bin. Allgemein scheinen die Basotho ein anderes Kälteempfinden zu haben als das ich es habe. Denn auch bei weit über 30 Grad sind einige von ihnen immer noch mit dicken „Übergangsjacken“ unterwegs und es ist eine Art Todsünde, in Taxen oder jedem anderen Fahrzeug die Fenster zu öffnen, da ja jemand frieren könnte. Und auch von der Klimaanlage wird anscheinend im ganzen Land kein Gebrauch gemacht, egal wie stickig, warm oder feucht es ist.

Aufgrund des endlich feucht werdenden Bodens – wegen der Regenfälle die letzten Tage – habe ich in Absprache mit Mateboho Masiu mit der 6. Klasse das „Gardening-Project“ am Mittwoch, den 09.11. begonnen.
Von der freiwilligen Beteiligung von weit mehr als der Hälfte der Stufe war ich begeistert. Die Schüler haben sich noch am Mittwoch und Donnerstag selbst in 4er- bis 7er-Gruppen eingeteilt; abhängig von der Größe der Felder. Unterstüzt werden die Schüler und ich bei unserer Arbeit von Sir Sello, Sir Soko und…. die ein bisschen Ordnung in den Ameisenhaufen von Schülern bringen.
Am Donnerstag haben wir angefangen, die Erde umzugraben und ab nächster Woche möchten wir mit dem aussäen beginnen. Ich möchte jeder Gruppe die Möglichkeit geben, dass anzubauen, was sie möchten. Dabei sollen sie von verschiedenen Pflanzen wie grünen Bohnen, Erbsen, Rote Beete, Spinat, Karotten, Salat, Kohl, etc. auswählen können. Auch sind die einzelnen Gruppen von  jetzt an für die Pflege ihrer eigenen Felder verantwortlich.
Nach nur einer Stunde im Garten mussten wir allerdings aufgrund eines herannahenden Gewitters abbrechen, was sich allerdings als fast ein Ding der Unmöglichkeit herausgestellt hat, da selbst bei strömendem Regen und über den Himmel zuckenden Blitzen die Kinder nicht nach Hause gehen wollten.
Am nächsten Tag haben wir unsere Arbeit dann fortgesetzt und fast alle Gruppen haben ihre Plots jetzt soweit bearbeitet, dass mit dem Pflanzen begonnen werden kann. Nachdem ich am Mittwoch mit der B-Klasse angefangen habe sind jetzt auch die Freiwilligen aus der A-Klasse hinzugestoßen und das Gardening-Project hat jetzt ganze 98 teilnehmende Schüler aus nur einer Klassenstufe verteilt auf 22 Felder.

Anfangs hatten wir noch geplant das Gardening-Project für die Klassen 4-6 anzubieten, von der Idee sind wir mittlerweile aber wieder abgewichen, da uns dafür dann doch die Zeit und auch die Kapazitäten fehlen, 300 Schüler gleichzeitig zu betreuen und ihnen die Unterstützung zu bieten die ihnen meiner Meinung nach bei einem solchen Projekt zusteht.
Ich bin mittlerweile auch wirklich dankbar darüber, dass mir einige Lehrer dabei helfen, dieses Projekt möglich zu machen, was einer einzelnen Person bei einer so großen Gruppe kaum möglich gewesen wäre,
Am Montag beginnt dann das große Buddeln. Wir starten mit dem aussäen der ersten Samen und dem setzen der ersten Setzlinge. Jede Gruppe ist dabei selbst dafür verantwortlich, von Zuhause Samen etc. mitzubringen. Sie haben dadurch allerdings auch die komplette Freiheit darin, was sie pflanzen wollen/dürfen/können. Auch müssen sie ihre eigenen Gartengerätschaften von zu Hause mitbringen. Anfangs hatten Mateboho Masiu und ich noch überlegt, die Samen etc. für die Gruppe zu stellen. Dabei sind wir allerdings von einem Bruchteil der Teilnehmer ausgegangen. So würden die Bereitstellung von Gerätschaften und Setzlingen, Samen etc. jeglichen Rahmen gesprengt. Ganz abgesehen von den beschränkten finanziellen Mitteln wäre der allgemeine Aufwand einfach zu groß gewesen. Fast jede Familie in Lesotho und auch der Kingsgate Primary School  Subsistenzwirtschaft betreibt und entweder auf gepachteten Land oder öfter im eigenen Garten Pflanzen für den  Eigenbedarf anbaut ist es auch kein großes Problem für die Schüler, die Dinge die sie benötigen von zu Hause mitzubringen.
Schon in der kurzen Zeit, seitdem wir mit der Arbeit begonnen habe sehe ich, dass die Kinder sich untereinander helfen und voneinander lernen.
Über das Gardening-Project werde ich hier mehr berichten.